Benutzer:Elena

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Vergleichsarbeit

Zur Vergleichsarbeit siehe die Interne Seite zu Fernand Braudel

Einträge von Wikipedia in Wikipedia vergleichen

*Eintrag über Wikipedia in der deutschsprachigen Wikipedia

Notizen:

  • Geburtstunde 2001, mit vorlaufenden Projekten
  • NPOV
  • Macht haben in der englischsprachigen vor allem Jimmy Wales und seit Anfang 2004 einem von den Teilnehmern gewählten „Arbitration committee“ und Admins mit hoher sozialer Autorität
  • Artikel ist außerordentlich lang und wenig in Unterartikel geteilt (würde Kürzungsbedarf vorschlagen), Teile sind nicht ausreichend geschrieben (bei dem Punkt Finanzierung ist auch eine Überarbeitungsbox geschalten)

Fragen/Anmerkungen:

  • Warum ist Wikimedia (Eigentümerin der Wikipedia) eine Stiftung? mögliche Unterschiede zwischen Regelung in USA und Europa?
  • NPOV, meint möglichst viele Stimmen zu? Was ist Neutralität?
  • wenig klassische Hierarchien werden sozialen Hierarchien entgegengesetzt? Mehrheit entscheidet -> Was ist mit der Minderheit (Diskussion um geschlechtergerechte Sprache als Beispiel)
  • Warum gerade der Finanzierungspunkt so mager ist ist spannend

im Vergleich zum italienischen Wikipedia Eintrag:

  • besser strukturiert (es exisitieren Unterseiten z.B. zur Geschichte der Wikipedia)
  • bis auf wenige Ausnahmen wurden die selben Bilder verwendet
  • Wörter werden mehr übersetzt und weniger direkt vom englischen übernommen
  • Sprache ein wichtiges Thema (eigene Sektion zur italienischen Sprache in Wikipedia und Wikipedia in den verschiedenen italienischen Dialekten, z.b. in friulan, sardisch, sizilianisch, etc.)


Geschichtsportal

Macher_innen:

  • Projektredaktion Geschichte
    • eigene Seite zur Organisation der Redaktion Geschichte und zur Klärung von Fragen zur Redaktion als solcher
    • Unterprojektgruppen möglich
    • eigene Qualitätssicherung
    • wirkt elitärer

Qualität:

  • bei Quellen aber auch Historiker_innen starker Fokurs auf deutschsprachigen Raum, Relevante englischsprachige fehlen.
  • Unterportale z.T. qualitativ wertvoller (im Sinne von Recherchen, Pluralismus, etc.) z.b. Portal zu Nationalisozialismus, während der Artikel zum Bund deutscher Mädel in der normalen Wikipedia und im NS-Portal zu finden ist, fehlt die Verlinkung im Geschichtsportal

Anspruch:

  • soll als Überblick dienen

Usability:

  • mittel, da Unterseiten/Unterportale mit Tools arbeiten die weniger bekannt sind, siehe z.B. das Seitenlayout von Portalen

Anderes:

  • auf den ersten Blick nur Strukturgeschichte
  • wenig kritisches (weder kritische Geschichtswissenschaft noch Nischenthemen)


ausgesuchte Lemmata


Notizen zu Text von Dina Brandt

Brandt, Dina: Postmoderne Wissensorganisation oder: Wie subversiv ist Wikipedia?, in: Libreas, 2009, 14, S. 4-18.

Biographisches

Dr. Dina Brandt ist Kanzlerin der Hochschule für Philosophie in München. Sie hat Germanistik studiert (Studium in München und Aberdeen, Schottland) und war vor ihrer Berufung zur Kanzlerin für die Open Access-Aktivitäten der Fraunhofer-Gesellschaft zuständig.

Grundlegende Frage:

Inwiefern stellt Wikipedia die Stellung bisheriger Wissens-Expert_innen in Frage und wird durch Wikipedia die Aushandlung von “Wissen” sichtbar gemacht?

Die historische Ordnung von Wissen

Dina Brandt zeichnet eine sehr lineare Geschichte der Wissensproduktion von ersten Wissenssammlungen bis zu Wikipedia. Enzyklopädien sieht sie als den Versuch das gesamte Wissen eines Themenbereichs in einem Buch zu verschriftlichen. Enzyklopädien agieren dabei als "Ordnung des Wissens". Die moderne Wissensgesellschaft produziert immer mehr geschriebenes Wissen, online Enzyklopädien/Websites verlinken Texte mittels Hypertext, hierarhische Ordnung des Wissens wird zu einer assozitiven Ordnung von Wissen.

Ich würde eher sagen: Die Enzyklopädie ist ein Anzeiger oder ein Materialisierungspunkt der "Ordnung des Wissens". Die Darstellung durch die Enzyklopädie erfolgt nicht in Schlagwörtern und dieses Buchordnungssystem wird auf die Welt übertragen, sondern die Ordnung des Wissens ist die Form in der Wissen produziert, weitergegeben und definiert wird. Die Enzyklopädie ist bloß anschaulicher Kreuzungspunkt: Frau Brandt spricht vom Kristallisationspunkt (S.4).--Richard Demiray 16:03, 7. Jun 2010 (CEST)
Natürlich gibt es dann aber eine leichte Problematik mit dem Katalysator für die Veränderung der Wissensordnung. Wo die Enzyklopädie vormals nur ein Index für den schon vorhandenen Glauben an die Darstellbarbkeit der Welt war, ist im Bezug auf Wikipedie, der Aufbau und die Arbeitsweise der Enzyklopädie erst Auslöser (zumindest insoweit wir das erfassen können) für die Veränderung --> The medium is the message--Richard Demiray 16:14, 7. Jun 2010 (CEST)

Würd ich ähnlich sehen und zusätzlich anmerken das Wikiepdia durch die Möglichkeit Wissen unendlich darzustellen den Mythos kreirt jegliches Wissen würde in Wikipedia dargestellt werden. --_elena_ 16:28, 7. Jun 2010 (CEST)

Stimmt, Hypertexte werden als unendliche Texte gelesen, die vom Autor selbst Abstand nehmen. Inwieweit solchen poststrukturalistischen Theorien vom "Tod des Autors" zu trauen ist, ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall wird eine eigene Sphäre erzeugt, die Zusammenhänge produziert und Strukturtheorien nahelegt, meiner Meinung nach ist dahinter viel Schaumschlägerei.--Richard Demiray 16:58, 7. Jun 2010 (CEST)
Inwiefern handelt es sich um ein Netz, das "selbst neues Wissen generieren kann" (S.5)? --Richard Demiray 17:14, 7. Jun 2010 (CEST)

Texterkenntnisse für Forschungsseminar

  • Schaffung von Wissensexpert_innen bzw. traditionelles Wissen wird mit Pierre Bourdieu erklärt. Wissenschaftlicher Habitus und Bourdies Kapitalkonzepz passen hier gut.

Nach Bourdieu haben alle Menschen eine bestimmte Menge an ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischen Kapital. Eine Wissensexpert_in muss also nicht nur genügend Wissen in einem Themenbereich haben sondern benötigt auch das richtige Netzwerk (soziales Kapital), das richtige Auftreten, Sprachwahl, Schreibstil (symbolisches Kapital) oder muss ihr Wissen in einen allgemeineren Kontext stellen können (kulturelles Kapital)

    • Wikipedia verschiebt die Notwendigkeit der Kapitalsorten ohne sie abzuschaffen. Ein_e Schreiber_in braucht zwar nicht unbedingt ein Netzwerk, Schreiber_innen, die sich untereinander kennen, löschen sich aber weniger. Genauso ist ein gewisser Schreib und Sprachstil notwendig um innerhalb der Wikipedia zu symbolischem Kapital, z.b. Auszeichnungen für einen exzellenten Artikel zu kommen
  • Brandt sieht Verbindung zwischen wissenschaftlichem Impact Faktor und dem Google Refenzsystem, auch Page Rank genannt. Gemeint ist das Wissensproduzent_innen größere Karrierechancen haben bzw. besser bewertet werden wenn sie in Zeitungen mit möglichst hohem Impact Factor publizieren, ähnlich wie google das bei Websiten nach dem Prinzip "Je mehr Links auf eine Seite verweisen, umso höher ist das Gewicht dieser Seite" verwendet
  • Wikipedia-Prinzip offener als akademische Wissenschaft aber kann sie deswegen wirklich als offen gesehen werden? Brandt schreibt: "Die internen Normen werden beständig durch alle verhandelt und weiterentwickelt"(1)
    • Von wem werden diese verhandelt?
  • Freie Struktur hat sich selbst Strukturen geschaffen (Admins, Löschboards, Portale, etc.)
Diese Regelungsstrukturen nehmen oftmals groteske Formen an. Ich denke da etwa an Ordnungen von Warez-Boards oder vielleicht sogar an Wikipedia selbst. Da kommt es oft zu Auswüchsen, die die jeweiligen Mitglieder aus abstrusen Fantasyromanen oder Rollenspielen übernommen haben, um sich im Internet eine Art von Pseudofeudalsystem zu entwerfen. Außerdem würde mich interessieren, inwiefern manche Menschen versuchen, ihre Probleme oder ihr Alltagsleben anhand solcher Machtstrukturen zu kompensieren. Wenn man sich in Bereichen der Jugendkultur bewegt werden auch oft und gerne verschwörungstheoretische Weltbilder in die Erzeugung eigener Ordnungsstrukturen übernommen. Das ist wohl nicht in Verbindung zu bringen mit demokratischen Tendenzen.--Richard Demiray 09:32, 8. Jun 2010 (CEST)
  • Ideale und Praxis der Wikipedia sind nicht deckungslgeich. Problem liegt m.E. nicht in der fehlenden Deckungslgleichheit sondern in der fehlenden Sensibilität für interne Probleme (z.B. Ideal der Demokratie vs. hierarchische soziale Strukturen)


Mögliche Diskussionspunkte

  • Open Source als ideologisches Rückgrat von Wikipedia
Hierzu vielleicht ein Verweis auf die Gruppenproduktion.--Richard Demiray 09:32, 8. Jun 2010 (CEST)
  • Brandt schreibt von einem grundsätzlichen Verzicht auf Belege -> was ist mit Artikeln die einen riesigen Fußnotenapparat haben bzw. inwiefern werden andere Enzyklopädien belegt?
  • Brandt schreibt das Verfechter_innen von freien Inhalten die Meinung vertreten gesellschaftliche Entscheidungsprozesse würden wesentlich demokratischer gestaltet werden.(2)

Mögliche Kriterien und Vergleichsarbeit

  • Vgl. Faschismus und Eintrag zu Faschismus in Enzyklopädie des Holocaust: die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden / [Haupthrsg. Israel Gutman]. Hrsg. [der dt. Ausg.] Eberhard Jäckel, 1993, Seite 445-451

Struktur: Unterüberschriften: Worterklärung, Geistesgeschichtliche Grundlagen, Entwicklung des Faschismus nach dem ersten Weltkrieg, Faschismus und Antisemitismus, Literatur (keine der Literaturangaben sind im Wikipedia-Eintrag zu finden)

  • Mögliche Kriterien:
    • Angegebene Literatur: Aktualität, Decken sich die Literaturangaben, Werden alle Aspekte des Eintrags/Artikels durch die Literatur angegeben.
    • Überblick: Gibt Eintrag/Artikel einen Überblick zum Thema. Relevant für den Überblick ist eine Begriffserklärung, eine historische und eine aktuelle Kontextualisierung
    • Begriff/Ereignis/Person wird von mehreren Seiten betrachtet, eine Begriffshistorie gezeichnet
    • Relevante Personen und Ereignisse eklärt oder verlinkt ** Wie oft wird der Artikel/Eintrag als Quelle in anderen Büchern/Internetseiten herangezogen: Wie oft bei automatisch generierten z.b. bei answers.com und wie oft und wie bei user-generierten


  • Vielleicht hilfreich: Wikipedia Kriterien für einen lesenswerten Artikel:
  ** Ein Artikel muss die Kernaspekte des Themas abdecken und selbstverständlich fachlich korrekt sein.
  ** Die Informationen des Artikels müssen belegt sein. Sie müssen sich auf zuverlässige Quellen stützen und anhand der angegebenen Literatur und/oder der Einzelnachweise durch Dritte überprüfbar sein.
   ** Sämtliche im Artikel verwendeten Abbildungen müssen unter einer freien Lizenz stehen.
   ** Die Form sollte ansprechend sein und Wikipedia-Standards einhalten.
   ** Artikel müssen eine Einleitung besitzen, die das Wichtigste zum Thema zusammenfasst und dabei klärt, in welchem Fachgebiet und in welchem Zusammenhang das Thema steht.

Einzelnachweise

  • (1)Brandt, Dina: Postmoderne Wissensorganisation oder: Wie subversiv ist Wikipedia?, in: Libreas, 2009, 14, S. 6
  • (2)Brandt, Dina: Postmoderne Wissensorganisation oder: Wie subversiv ist Wikipedia?, in: Libreas, 2009, 14, S. 11


Zur Autorin

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Zur Verwendung geschlechtergerechter/queerer Schreibweise

Durch Sprache und Schreibweise werden Dinge, Strukturen und komplexe Vorgänge (be)greifbar und beschreibbar gemacht – man kann durch sie bewusst wie unbewusst ab- und ausgrenzen. Ausgrenzung in der Sprach-/Schreibwahl passiert beispielsweise wenn Aussagen über eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern nur in der männlichen Form dargestellt werden. Gerade in der Geschichtswissenschaft, bei der Historiker_innen m.E. immer wieder eigene Identitätskategorien unüberlegt auf andere historische Kontexte legen, halte ich es für notwendig sich über sprachliche Inklusions-/Exklusionsmechanismen Gedanken zu machen.

Daher verwende ich, wenn mehrere Geschlechter bezeichnet werden sollen neutrale Formen (Studierende) oder den Gender Gap (Student_innen). Der Gender Gap ist aus einer queeren Sprachkritik entstanden und ist eine von mehren Möglichkeiten auf Geschlechter und Geschlechtsidentitäten hinzuweisen, die sich nicht im dichotomen Frau/Mann-Schema einordnen lassen.Zur aktuellen Diskussion um den Gender Gap siehe einen von diestandard.at, zur Verwendung anderer queerer Schreib- und Sprechstile siehe: Perry Baumgartinger, Lieb(schtean), Les(schtean), (schtean) du das gerade liest… - Von Emanzipation und Pathologisierung, Ermächtigung und Sprachveränderungen, 26. Juni 2008, in: Liminalis - Zeitschrift für geschlechtliche Emanzipation, 2008_02