Benutzer:Friedrich Geber

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Handout zu Text Maren Lorenz: „WIKIPEDIA. Zum Verhältnis von Struktur und Wirkungsmacht eines heimlichen Leitmediums.“ Der Aufsatz stammt aus 2006 und behandelt drei Kapitel: 1. Entwicklung, Nutzung und Verbreitung Hier skizziert die Autorin anhand von Zahlen, Daten, Fakten die Open-Source-Bewegung Wikipedia, dessen Grundidee die Herstellung eines Kollektivgutes ist. Gleichzeitig wird auf die Problematiken aus der wissenschaftlichen Perspektive hingewiesen, insbesondere auf die fehlenden Regeln der klassischen Quellenkritik in Bezug auf die äußere und innere Form, die Entstehungsbedingungen sowie relevante Hintergrundinformationen der gesamten Enzyklopädie. – Offene Aspekte: - WP hat sich inzwischen zu einer globalisierten Massenbewegung entwickelt, über die Sozialstruktur der WP-Autoren existieren jedoch noch wenige Erkenntnisse. - Nutzungsverhalten von Studenten und Schülern steht die teilweise ablehnende Haltung der Lehrenden gegenüber. 2. Das Wikipedia-Prinzip: Anspruch und Wirklichkeit Die Selbstwerbung, d.h. die öffentlichen Berichterstattung, wird mit den hehren Motiven von Jim Wales gepeist (http://www.wikimedia.de). Wikipedisten beforschen das Objekt WP selbst, was einer Selbstbefindung gleichkommt. – Zum Thema „kollaboratives Arbeiten mit seinen Synergieeffekten“ gibt es inzwischen ein Forschungsprojekt der DFG mit Hinsicht auf den Aspekt der Kooperation. Lorenz geht in diesem Kapitel noch auf die fehlende Bedingung eindeutiger Autorenschaft ein, die mangelhafte Referenzkultur und Urheberrechtsverletzungen durch Plagiate; vergeblicher Appell von WP hinsichtlich eindeutiger Zitierweise und Referenzbildung. Die Diskussionsseiten erweisen sich ebenfalls als untaugliches Mittel gegen eine gezielte Einstellung falscher Daten sowie gegen Vandalismus. Auch schützt die gepriesene Transparenz der Lemma-Genese über die Versionsseiten nicht davor, zumal sich das dazu ständig erforderliche Zurückklicken nicht als praktikabel erweist und kontraproduktiv auf den schnellen Informationsgewinn wirkt. – Zur Selbstorganisation und Struktur befindet die Autorin: Die WP-Organisation ist eine komplexe und deshalb nicht einfach zu überblicken. Ein Gemisch von Anarchie, Meritokratie, Demokratie, Autokratie und Technokratie ist auszumachen; über dem steht der „benevolent dictator“ Jim Wales, der 2004 in der englischen WP einen Teil seiner Rechte an ein „arbitration committee“ abtrat. Jedenfalls ist kein komprimiertes eindeutiges Organigramm mit Tätigkeiten bzw. Befugnissen der Wikipedisten auszumachen, obwohl es eine Hierarchie gibt. 3. Bisherige und ausstehende Konsequenzen Verbesserungsversuche scheiterten bisher an der WP-Ideologie bzw. -Kultur: Eine wirkliche strukturelle Reform zur Qualitätsverbesserung, d.h. Schaffung stabiler Artikelversionen, wäre durch die Eröffnung eines Akademiker-Arbeitsmarktes machbar, der jedoch nicht kostenlos zu bewerkstelligen ist. Im Zusammenhang stehen Festlegungen von Verbindlichkeiten und einer Hierarchie, womit allerdings ein Verlust an Rechten des Einzelnen einhergeht, was mit Sicherheit zu einer Spaltung der Community führen würde. Darüber hinaus entfernt man sich vom Gedanken des fluiden Wissens. Ein ebenso ungelöstes Thema bleibt die Art und Weise der Aufbewahrung der Abermillionen Seiten (Quantität!), deren Langzeitarchivierung der permanent fluiden Masse sich zu einem immer größer werdenden technischen und finanziellen Problem entwickelt. Im Zusammenhang mit der inhaltlichen Lösung (Qualität) kann der Lösungsansatz nur darin bestehen, dass die WP ihre wesentliche Eigenschaft verlieren wird, nämlich das anarchische Element nebst der Anonymität. Lorenz stellt dazu die These auf, dass kollaboratives Arbeiten im Sinne intellektueller Synergien auch und gerade ohne Anonymität und Flüchtigkeit erheblich effektiver funktionieren müsste.