BibSonomy

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BibSonomy ist ein kostenloses, web-basiertes System für die Verwaltung und den Austausch von Bookmarks und Literaturlisten. Entwickelt wurde es von der „Knowledge and Data Enineering Group“ der Universität Kassel, die auch das Hosting übernommen hat. Aufgrund des universitären Hintergrundes richtete sich BibSonomy anfänglich vor allem an AkademikerInnen. BibSonomy ist ein Kofferwort, das aus den Begriffen „BIBliography“ und „folkSONOMY“ zusammengesetzt ist und damit auch gleich das Konzept skizziert: Den gemeinschaftlichen Aufbau einer Literatur- und Bookmarkliste mit „Social Tagging“ zu kombinieren. Auch wenn BibSonomy vor allem als offenes Austauschsystem konzipiert ist, können die BenuzterInnen die Daten mit einem einschränkenden Status versehen, so dass sie nur privat oder in einem Kreis von definierten „Freunden“ genutzt werden können - ein Dienst, der vor allem Akademikern in stark umkämpften Forschungsfeldern entgegenkommt.

Social Tagging und Folksonomy

Bei BibSonomy können die Bookmarks und Literaturangaben/References mit eigenen, frei gewählten Schlagwörtern versehen werden, sogenannten "Tags", was die Organisation und Verwaltung deutlich vereinfacht. Die Tags sind mit einem grossen, allgemeinen Tag-Pool verknüpft, der in der Form einer Tag-Cloud dargestellt wird. Damit die Benutzer möglichst bestehende Tags mit ihren Eintragungen anreichern können, macht BibSonomy jeweils Tag-Vorschläge. Da es sich bei diesem "Gemeinschaftlichen Indexieren" oder "Social Tagging" um ein nicht kontrolliertes, freies "Schlagwortsystem" handelt, kann von einer "Folksonomy" gesprochen werden. Der Vorteil einer Folksonomy im akademischen Umfeld besteht darin, dass hier Fachleute das Tagging vornehmen und dabei die aktuellsten wissenschaftlichen Fachbegriffe verwenden. Die Möglichkeit, diese Fachbegriffe mit persönlichen assoziativen Tags zu ergänzen, vereinfacht einerseits das Wiederauffinden spezifischer Eintragungen, andererseits wird dadurch das Moment der Serendipity erhöht.

Datenaustausch

  • Datenimport

Für den Import von Bookmarks und Literaturangaben lassen sich mittels drag-and-drop zwei Buttons in die Toolbar des Browsers installieren - einer für Bookmarks, der andere für References. Die References werden im BibTeX-Format importiert und gespeichert. Da aber längst nicht alle Datenbanken und Kataloge ihre Daten im BibTeX-Format anbieten, können eigene BibTeX-Eintragungen kreiert werden, die dann den anderen BibSonomy-Usern zum einfachen Kopieren wiederum zur Verfügung stehen. Die eigenen Daten auf Del.icio.us, EndNote und Firefox können direkt in BibSonomy importiert werden. Der Import von Daten aus einigen Datenbanken wie SpingerLink, ScienceDirect oder PubMed ist ebenfalls möglich. Seit kurzem hat die Universitätsbibliothek Köln damit begonnen das Online Recherche Portal „KUG/Kölner Universitätsgesamtkatalog“ mit BibSonomy zu verknüpfen, so dass über ein Share-Icon die ausgewählten Katalogdaten direkt in die eigene BibSonomy-Liste gelesen werden können.

  • Datenexport

Die eigenen BibSonomy-Daten können über RSS-Feeds, EndNote, HTML, BibTeX, SWRC und anderen Formaten exportiert werden. Im Fall von RTF kann leider nur die ganze Literaturliste in diesem Format exportiert werden und nicht die einzelnen References.

Datensicherung

Backups für die Bookmarks und References können neuerdings über einen Java-Client gemacht werden. Die Sicherung der persönlichen Kommentare und pdf-Files ist noch nicht möglich.

Vor- und Nachteile von BibSonomy

Ein grosser Vorteil von BibSonomy ist, dass es kostenlos und web-basiert ist, denn so lassen sich die Daten von jedem x-beliebigen Rechner aus abrufen und bearbeiten. Da BibSonomy zentral an der Universität Kassel gehostet wird, kann man von einer grösseren Langlebigkeit und Konstanz des Dienstes ausgehen als dies bei kommerziellen Anbietern der Fall ist. Im Weiteren wird der Nutzerkreis aufgrund des akademischen Hintergrundes stark auf universitäre Kreise eingeschränkt, was für ein sinnvolles, brauchbares social tagging nur von Vorteil sein kann. Auch die Tatsache, dass BibSonomy die Uploads im BibTeX-Format vollständig unterstützt ist beachtenswert. Und last but not least bildet die "Relations"-Funktion für Tags ein nützliches Feature.

Dass BibSonomy auch seine Schwächen hat, zeigen die Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung an der Universtitätsbibliothek Amsterdam. BibSonomy wird dort von Studierenden als eher benutzerunfreundlich beschrieben. Neben der ästhetisch nicht gerade berauschenden Darstellung spielt bei diesem Ergebnis sicher auch die Tatsache eine Rolle, dass die BibSonomy-Daten nicht einzeln in die gebräuchlichen Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word exportiert werden können, zudem ist die Auswahl der Zitiermöglichkeiten mit APA und Harvard nicht gerade gross.

BibSonomy und Bibliothek 2.0

Der Gesamtkatalog der Universtität Köln (KUG) zeigt mustergültig wie die ersten Schritte in Richtung eines "OPAC Next Generation" der Bibliothek 2.0 aussehen kann. Neben RSS-Feeds bietet er auch eine Schnittstelle für den einfachen Export der Katalogdaten in den BibSonomy-Dienst an. Die Vorstellung, dass die Benutzerinnen die von der Bibliothek angeschafften Neuerscheinungen aus bestimmten Forschungsgebieten per RSS-Feed abonnieren können, muss auch die Web-Skeptiker unter den BibliothekarInnen von den Chancen der Bibliothek 2.0 überzeugen.

BibSonomy als work-in-pogress

BibSonomy ist permanent daran, seine Funktionalitäten zu verbessern und neue Features zu integrieren. So verfügt BibSonomy erst seit kurzem über eine Programmierschnittstelle, eine sogenannte "application programming interface", kurz API. Die neuesten Projekten finden sich unter: BibSonomy-Projekte

Weblinks

Literatur

  • Regulski, Katharina: Aufwand und Nutzen beim Einsatz von Social-Bookmarking-Services als Nachweisinstrument für wissenschaftliche Forschungsartikel am Beispiel von BibSonomy, in: Bibliothek 31 (2007), Nr. 2, S. 177-184
  • Plieninger, Jürgen; Stabenau, Edlef; Heller, Lambert: Never run a changing system? Über die Chancen des Einsatzes "Sozialer Software" in der Bibliotheksarbeit, in: B.I.T. online 10 (2007), Nr. 3, S. 223-231

Tags

  • Lesezeichen-Verwaltung
  • Literaturlisten-Verwaltung
  • Literaturlisten Sharing
  • Social Tagging
  • Social Bookmarking
  • Literaturverwaltung
  • Privat
  • Halböffentlich
  • Öffentlich
  • Wolke
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  • Browserbuttons
  • Listenimport