Connotea

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Connotea ist ein freies online Referenzverwaltungstool, das zur wachsenden Gruppe der sogenannten Social Tagging Tools wie CiteULike, BibSonomy und Del.icio.us gehört. Connotea wurde von der Nature Publishing Group entwickelt und im Dezember 2004 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es richtet sich insbesondere an Wissenschafter und Forscher aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Fachbereichen.

Konzept

Inspiriert von der Beliebtheit von Del.icio.us wollte man mit Connotea die Vorteile bestehender Referenzverwaltungsprogramme mit dem neuen Konzept des Social Tagging verschmelzen. Folgende Aspekte sollten dabei berücksichtigt werden:

  • Online Speicherung der Referenzen und Bookmarks (Web-Seiten)
  • einfache Verwaltung ohne Hierarchien
  • Zugänglichkeit für alle
  • einfacher, automatischer Import bibliographischer Informationen aus dem Internet

Ein solches Konzept bietet folgende Vorteile für den Benutzer:

  • mobiler Zugriff auf gespeicherte Favoriten, unabhängig vom Ort
  • kollektive, öffentliche Sammlung an interessanten Inhalten zu bestimmten Themen
  • exploratives "Stöbern" in Themengebieten, wenn ein genauer Suchbegriff noch nicht feststeht
  • Auffinden von für den Benutzer möglicherweise relevanten Inhalten durch Beobachten von anderen Nutzern mit ähnlichen Interessen

Funktionen

  • direktes Speichern von Referenzen und Bookmarks

Mit Hilfe des integrierten Browser-Buttons Add to Connotea werden Bookmarks (Web-Seiten) ganz einfach in Connotea importiert: die URL wird automatisch eingefügt und der Benutzer ergänzt das Eingabeformular mit seinen Tags (frei wählbare Schlagworte). Das Speichern von Referenzen erfolgt im Prinzip gleich: Ausgehend von einem Katalogisat-Vollformat einer Referenz wird durch Add to Connotea das Eingabeformular geöffnet, in welches die bibliographischen Angaben der Quelle automatisch eingefügt werden und der Benutzer wiederum eine Zuordnung durch die Vergabe von Tags machen kann. Alternativ können Referenzen über die DOI-Nummer (Digital Object Identifier) identifiziert und in die Connotea-Bibliothek importiert werden.

  • indirekter Import von Referenzen

Leider funktioniert die automatische Erkennung der bibliographischen Angaben nur beschränkt. Deshalb können Referenzen auch indirekt in Connotea importiert werden, indem sie als Plain Text zwischengespeichert und über Import from local File in die Bibliothek eingefügt werden. Dies gilt auch für den Import von Referenzen aus anderen Literaturverwaltungsprogrammen. Als Import Filter stehen folgende Formate zur Verfügung: Firefox Bookmark, RIS, EndNote, EndNote XML, BibTex, ISI Web of Knowledge und MODS.

  • Verwalten der Referenzen

Entsprechend der Grundidee des Tagging werden die Daten nicht hierarchisch sondern durch die Vergabe der Tags verwaltet. Grundsätzlich sind Referenzen von allen Connotea-Mitgliedern einsehbar (aber selbstverständlich nicht editierbar). Es besteht jedoch die Möglichkeit, Referenzen privat zu verwalten (z. B. bis eine Arbeit veröffentlicht ist).

  • Social Tagging

Die Vergabe von Tags durch den Benutzer ermöglicht diesem einerseits die Verwaltung seiner Referenzen. Andererseits erlaubt die Offenheit des Systems exploratives Stöbern und durch Social Tagging entstehen kollektive, öffentliche Sammlungen zu einer Vielfalt an Themen. Eine Vernetzung zwischen Benutzern mit ähnlichen Interessensschwerpunkten wird möglich.

  • Integration in Word

Word 2007 enthält ein intergriertes Zitier- und Bibliographierwerkzeug, das auch mit Connotea kompatibel ist. Die Möglichkeiten sind jedoch auf einfache Anwendungen beschränkt.

  • Export der Bibliothek

Die Online Speicherung der Daten hat sicher viele Vorteile (überall verfügbar, Social Tagging), doch birgt sie auch die Gefahr der Abhängigkeit vom kommerziellen Anbieter des Tools Connotea. Deshalb ermöglicht Connotea den einfachen Export der persönlichen Bibliothek in verschiedene Formate (RIS, EndNote, BibTex, MODS[XML], TXT, Word 2007, Rss, RDF und Plain Text).

Connotea im Vergleich

  • mit vergleichbaren Online-Tools

Connotea, BibSonomy und CiteULike sind vergleichbare, kostenlose Online-Tools, die Literaturverwaltung und Social Tagging kombinieren. Die Importfunktionalitäten aller drei Programme sind ähnlich (mangelhaft), jedoch bieten nur Connotea und CiteULike die Verknüpfung mit Textverarbeitung an, während Connotea und BibSonomy mehr Exportformate als CiteULike anbieten. Zotero, ein weiteres kostenloses Referenzverwaltungstool, ist den drei Programmen in Bezug auf Datenimport, Referenzanreicherung (PFDs, Screenshots etc.) und Integration in Textverarbeitung überlegen, ist aber in der aktuellen Version mit lokal gespeicherten Daten noch kein Social Tagging Tool.

Die untenstehende Tabelle zeigt anhand einiger Beispiel-Tags, wie verbreitet der Gebrauch der drei Programme im naturwissenschaftlich-medizinischen Bereich (erklärte Zielgruppe von Connotea) ist (März 08).


Suchbegriff bzw. Tag Treffer im Web of Science Treffer als Connotea Tag Treffer als Bibsonomy Tag Treffer als CiteULike Tag
climate change 34874 710 119 496
global warming 9512 774 36 499
AIDS >100000 4551 330 498
Insulin >100000 1303 77 443


  • mit klassischer Literaturverwaltung (EndNote/EndNoteWeb)

Im Vergleich mit EndNote X1 oder auch der abgespeckten Variante EndNoteWeb kann Connotea bezüglich Einfachheit des Datenimports, der Kompatibiltät mit kommerziellen Datenbanken und der Integration in die Textverarbeitung nicht mithalten. Falls sich Connotea insbesondere gegen EndNoteWeb (gratis für ISIWeb ob Science Lizenznehmer, also an sehr vielen Hochschulen) durchsetzen will, muss vor allem der Datenimport noch stark verbessert werden.

Gesamtbeurteilung

Ein Referenzverwaltungstool sollte möglichst einfach und direkt den Import von Referenzen erlauben, eine gute Organisation der Daten ermöglichen und optimal in die Textverarbeitung integriert sein.

  • Importfunktionalitäten

Leider funktioniert die automatische Erkennung der bibliographischen Angaben bis jetzt nur mit Referenzen aus den Quellen PubMed, Nature Publishing Group Journals, D-Lib Magazine und der HubMed Suchoberfläche für Medline Datenbank. Da sich Connotea vor allem auf Naturwissenschafter und Mediziner ausrichtet, sollten die Importfunktionalitäten auch für Suchoberflächen wie ISI Web of Knowledge, Silverplatter, OvidSP oder CSA Illumina verbessert werden. Daten aus dem Web of Knowledge/Web of Science können zwar indirekt importiert werden, mit Referenzen aus Silverplatter, OvidSP und CSA ist nicht einmal ein indirekter Import möglich. Ebenfalls sehr unbefriedigend ist, dass nur eine Referenz aufs Mal importiert werden kann. Für wissenschaftlich Arbeitende ist es notwendig, dass ganze Listen in ein Literaturverwaltungsprogramm eingefügt werden können.

  • Social Tagging

Die Idee des Social Tagging ist bestechend. Damit sich der Gedanke des Social Tagging durchsetzen kann, ist es unabdingbar, dass dieses Tool von einer sehr grossen und wissenschaftlichen Gemeinschaft benutzt wird. Die Benutzer wiederum werden sich nur für ein solches Tool entscheiden, wenn es bestmögliche Funktionalität und Einfachheit bietet und die primären Bedürfnisse an die Literaturverwaltung abgedeckt werden. Der Vergleich mit ähnliche Programmen zeigt eine relativ gute Verbreitung von Connotea innerhalb der medizinisch-naturwissenschaftlichen Forschergemeinde (siehe Connotea im Vergleich).

  • Intergration in Textverarbeitung

Dieser Aspekt kann leider nicht abschliessend beurteilt werden, da Word 2007 nicht zur Verfügung stand. Für die wissenschaftliche Praxis entscheidend ist eine grosse Auswahl an Formatierungsmöglichkeiten solange die unzähligen wissenschaftlichen Zeitschriften auch unzählige verschiedene Formatvorgaben vorschreiben.


Connotea ist ein einfach zu bedienendes Tool mit interessanten Möglichkeiten. Falls oben erwähnte Verbesserungen in einer nächsten Version berücksichtig werden, könnte sich Connotea durchaus als Favorit für Literaturverwaltung in der naturwissenschaftlichen Forschergemeinde durchsetzen.

weiterführende Informationen

Literatur

andere online-Referenzverwaltungstools


weitere Links

Tags

  • social bookmarking
  • Social Tagging
  • Literaturverwaltung
  • Referenzen
  • Referenzverwaltung
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