Elektronisches Papier

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Elektronisches Papier

Technologische Entwicklung

Bereits in den 1970er-Jahren wurden erste Versuche unternommen, sogenanntes elektronisches Papier herzustellen. Der amerikanische Wissenschafter Nick Sheridon entwickelte damals das Gyricon-Papier, das folgendermassen funktionierte: In einer dünnen Schicht aus durchsichtigem Plastik befanden sich Millionen kleinster Kugeln, die auf der einen Seite weiss und auf der anderen Seite schwarz gefärbt waren. Durch eine auf der Oberfläche erstellte elektrische Spannung wurden die Kugeln dann in die jeweils gewünschte Ausrichtung gebracht und dadurch ein schwarz-weisses Bild erstellt.[1] Dieses Prinzip war wegweisend für die spätere Entwicklung elektronischen Papiers.

In den 1990er-Jahren entstand eine abgewandelte Art des elektronischen Papiers, die sich unter dem Namen E-Ink, elektronische Tinte, etablierte. Bei dieser neueren Technologie werden die einzelnen Bildpunkte, oder Pixel, durch horizontal angeordnete Mikrokapseln gebildet, die vertikal zwischen durchsichtigen Kunststoffelektroden eingebettet sind. In diesen Kapseln befinden sich sowohl (positiv geladene) weisse wie auch (negativ geladene) schwarze Kugeln, eingelegt in eine ölige Flüssigkeit. Durch die Elektroden können nun bei jeder Kapsel wahlweise die weissen oder schwarzen Partikel an die sichtbare Oberfläche bewegt werden. Auf diese Weise können relativ hoch aufgelöste Bilder dargestellt werden.[2]

Anreize

Seit sich verschiedene Firmen vorgenommen haben, beim erwarteten Ansturm auf E-Books eine wegbereitende Rolle zu spielen, ist das elektronische Papier in eine zentrale Rolle bei der Frage nach der geeigneten Darstellung digitaler Texte gerückt. Elektronisches Papier hat Eigenschaften, die dem sich seit Jahrtausenden bewährenden und uns allen vertrauten Papier verhältnismässig nahe kommen. Während bei herkömmlichen Computerbildschirmen Licht ausgestrahlt wird, funktioniert das elektronische Papier durch Lichtreflexion. Zwar erfordert dies eine externe Lichtquelle, doch das Lesegefühl wird als viel angenehmer empfunden. So kann ab elektronischem Papier auch bei hellem Sonnenlicht und aus verschiedenen Blickwinkeln gelesen werden, was sich als entscheidender Vorteil gegenüber LCD-Bildschirmen erweist. Dazu kommt, dass die E-Ink-Technologie auch die Herstellung flexibler Materialien ermöglicht, die den E-Books der Zukunft noch mehr Mobilität und Ähnlichkeit zu zeitgenössischen Zeitungen und Büchern bescheren dürften. Die Hersteller versprechen sich dadurch schliesslich die Möglichkeit, das elektronische Papier zumindest teilweise substituierend zu lancieren.[3]

Falls sich E-Books, und somit auch das elektronische Papier, künftig tatsächlich durchsetzen und unsere Lesegewohnheiten nachhaltig verändern sollte, könnte dies auch in ökologischer Hinsicht Folgen haben (Christian Kamburow: E-Paper - Erste Abschätzung der Umweltauswirkungen[4]). Wenn nämlich Tageszeitungen nicht mehr hauptsächlich in Papierform gelesen würden, könnte dies den Bedarf an Papier, und folglich auch Holz, erheblich senken. Gegenüber Computerbildschirmen hat das elektronisches Papier in dieser Hinsicht nun den entscheidenden Vorteil, dass um ein Vielfaches weniger Strom für die Darstellung von Texten gebraucht wird. Elektronisches Papier ist bildstabil, d.h. es wird nur für die Veränderung der Oberfläche Energie verbraucht. Ist ein Bild hergestellt, wird kein zusätzlicher Strom mehr benötigt. An der Schnittstelle zwischen Papier und elektronischer Darstellung bietet das elektronisches Papier also auch in ökologischer Hinsicht attraktive Vorteile.

Aktuelle Tendenzen

Elektronisches Papier befindet sich im Moment in einer rasanten Entwicklung. Durch den Einsatz von Farbfiltern wird zum Beispiel versucht, die Darstellungsmöglichkeiten von schwarz-weiss auf das gesamte Farbspektrum zu erweitern.[5] Auch die Reaktionsgeschwindigkeit der Kapselpartikel soll anhand erneuerter Methoden weiter erhöht werden, damit dereinst auch Videos auf E-Paper wiedergegeben werden können.[6] Verschiedene Firmen arbeiten (teilweise auch gemeinsam) an der weiteren Entwicklung mit, was Ausdruck des Glaubens in die kommerziellen Möglichkeiten dieser Technologie ist.