Hypertext

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Hypertext zeichnet sich aus durch in sich geschlossene Informationseinheiten, durch Verknüpfung (Verlinkung) dieser Informationseinheiten (1) und die daraus resultierende Non-Linearität des Textes, der die Leser/innen zu Wreadern macht.

Informationseinheiten

Die Informationseinheiten bei Hypertext sollten so in sich abgeschlossen sein, dass sie von den Leser/innen ohne Kenntnis anderer Informationseinheiten verstanden werden können. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Abfolge der Informationseinheiten wirklich beliebig kombiniert werden kann (Non-Linearität). Die Länge dieser Einheiten ist nicht vorgegeben, dennoch sollten sie eher kurz sein. Dies hat mit Lesegewohnheiten am Bildschirm zu tun, denn ein Hypertext verliert durch den Ausdruck auf Papier eine wesentliche Dimension: jene der aktiven, jederzeit durch die Leser/innen auszuwählenden Links, die sie zu anderen Dokumenten oder Textteilen führen und der Multimedialität. Neuerdings wird (besonders im Zusammenhang mit Blogs) von auch von "Micro-Content" gesprochen (2).

Verlinkung

Die Verlinkung der verschiedenen Informationseinheiten ist ein wesentliches Element des Hypertextes. Die "Links" genannten Sprungmarken ermöglichen ein schnelles Wechseln zwischen Informationseinheiten, die inhaltliche Verbindungen aufweisen. Diese Links machen diese Verbindungen für die Leser/innen "sichtbar". Die Leser/innen werden dadurch zu "Wreadern", die durch das Verfolgen der verschiedenen Links die verknüpften Informationseinheiten in einer individuellen, nur für sie gültigen Text erschaffen.

Diese Verknüpfung von modularen Informationseinheiten wird gerne als Beleg für einen nicht-linearen, autorlosen Text herangezogen. Doch in der Regel sind die Links durch die Verfasser/innen vorgeben. Dadurch erhalten diese weitaus mehr Kontrolle darüber, welche Pfade durch den Gesamttext oder aus dem Text heraus den Leser/innen überhaupt möglich sind. Denn die Leser/innen können nur Links folgen, die vorhanden sind. Es sind nämlich keineswegs alle Worte verlinkt (vgl. Hyperwords). Und auch für die Begriffe, die verlinkt sind, gibt es oft verschiedene mögliche Informationseinheiten, die als Ziel der Verknüpfung gewählt werden können.

Den Leser/innen wird am Bildschirm immer nur eine Hypertext-Seite angezeigt, eine Informationseinheit. Was sie vom restlichen, diese Seite umgebenden Informationsraum "sehen", ist in Bezug auf die unmittelbare Lesevergangenheit abhängig von ihrem Erinnerungsvermögen oder der "History-Funktion" des Browsers. In Bezug auf die zukünftigen, noch zu lesenden Einheiten stehen den Leser/innen die Navigation, die im Text vorhandenen Links oder die Suchfunktion zur Verfügung. Mit der Navigation und den Links verfügen die Hypertext-Autor/innen über mehr Steuerungsmöglichkeiten als die Autor/innen von Büchern. Diese mögen linear geschreiben sein, doch die Leser/innen sind frei, jederzeit im Buch nach eigenem Gutdünken zu jeder beliebige Textstelle zu wechseln, auch wenn (oder gerade weil) keine explizite Verknüpfung dorthin führt. Die einzige Orientierungsfunktion, bei der die Hypertext-Autor/innen nicht steuernd eingreifen können, ist die Suche. Doch die Volltext-Suche hat ihre eigenen Tücken, ob sie auf das gesamte Web oder auf eine Website angewandt wird.

Non-Linearität und Wreading sind unter diesen Aspekten zu betrachten. Die Aussagen verändern sich bei Lösungen, bei welchen die Leser/innen (wie bei Wikis) selber zu Autor/innen werden können. Diese aktive Beitragen der Leser/innen zum Text hatten sich die Protagonisten des Hypertexts eigentlich als zentrales Merkmal der Nutzung vorgestellt, das sich aber bis heute nur in Teilen durchgesetzt hat.

Hypermedialität

Bei der konkreten Ausprägung des Hypertexts im World Wide Web, in der die Seitenbeschreibungssprache HTML und das Übertragungsprotokoll HTTP verwendet werden, ist ein wichtiges Merkmal auch die einfache Möglichkeit, andere Medien (Bilder, audiovisuelle Dateien, Formeln, Applikationen (Java, Flash)) in die Texte zu integrieren. Daher könnte, was von einigen Autoren auch getan wird, von Hypermedien gesprochen werden.

Dennoch bleibt die Bezeichnung Hypertext näher am eigentlichen Kern dieser medialen Ausprägung, in der Schrift und Sprache eine wesentliche Rolle einnehmen. Ein wichtiges Element des ICT ist die Möglichkeit der Manipulation der digitalen Vorlagen, dazu gehört auch das teilweise oder vollumfängliche Kopieren. Dies gilt, laut Umberto Eco, insbesondere für die Schrift, also besonders für den Hypertext und für die Rolle des Wreaders (4).

Literatur

  1. Eibl, Thomas: Hypertext. Geschichte und Formen sowie Einsatz als Lern- und Lehrmedium. Darstellung und Diskussion aus medienpädagogischer Sicht, München: Kopaed 2004
  2. Baumgartner, Peter: Eine neue Lernkultur entwickeln: kompetenzbasierte Ausbildung mit Blogs und E-Portfolios, 2006 (http://www.educa.ch/dyn/bin/131141-131143-1-eportfoliodeutsch.pdf [Zugriff 6.2.2006])
  3. Wikipedia-Eintrag zu Hypertext (inkl. weiterführender Links): http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext
  4. Wenz, Karin: "Zeichen lesen: Hypertext revisited", in: Hess-Lüttich, Ernest W.B. (Hg.): Medien, Texte und Maschinen. Angewandte Mediensemiotik, Frankfurt a.M./Bern/New York: Lang 2001, 91-104.

HistCollaboratory: Navigationspfad von Jan Hodel

--Jan Hodel 23:55, 10. Feb 2006 (CET)