Medien der Geschichte 19.05.2008

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Galileo Galilei und die Wissenschaftsgeschichte

Wer war Galileo Galilei? Einen interessanten Überblick über sein Leben, sein Schaffen und seine Taten bieten die folgenden Internetseiten. Da wir in der Sitzung in erster Linie nicht die Person Galileos mit den ensprechenden Lebensdaten behandeln werden - sondern direkt auf seine Rolle in Bezug auf die Wissenschaftsgeschichte und den ensprechenden Medien eingehen werden - lohnt sich ein kurzes Einlesen im Netz.


Überblickseiten zum Einlesen:


Themenbezogene Seiten für die Sitzung:


Eine erste Themensammlung für die Sitzung:

  • 1. Starke Sinne. Die Erfindung wissenschaftlicher Experimente (Galileos Telescope)
  • 2. damalige Medien
    • 2.1 Das Buch (Galileo: Der Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme - Zensur, Inquisition)
    • 2.2 Res publica literaris - Republic of letters (Briefwechsel und deren Bedeutung)
    • 2.3 Wissenschaft als höfische Kunst(Galileo in Florenz bei den Medici)
  • 3. Die Marke Galileo heute


Sitzungsbericht I

Beim Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen kam in der frühen Neuzeit dem Medium Brief eine zentrale Rolle zu. Das Briefnetzwerk entsprach einem Verteilersystem, das die neuesten Einsichten an die richtigen Stellen übermittelte. Auch Galilei beteiligte sich rege am Briefwechsel mit anderen Gelehrten. Jedoch diente das Briefnetzwerk nicht allein dem wissenschaftlichen Dialog, sondern auch der Herstellung und Aufrechterhaltung von Patronagebeziehungen. Die Patronage war ein, im Europa der frühen Neuzeit, weit verbreitetes soziales System, das den Status, die Identität und die Karriere eines Klienten (hier Wissenschaftlers) prägte. Zu Zeiten Galileis bestimmte der soziale Status eines Gelehrten seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit.

Wie konnte also ein Wissenschaftler seine Theorien im Abhängigkeitssystem, in dem die Wissenschaft stattfand, auf den Markt bringen? Die erfolgversprechendste Möglichkeit war eine Patronagebeziehung am Hof. Der Hof war das Zentrum des Wissenschaftsaustausches. Durch die Stellung als Höfling erreichten die Ideen eines Wissenschaftlers grössere Akzeptanz und Glaubwürdigkeit. Über Jahre arbeitete sich Galilei mit der Hilfe verschiedener Schirmherren langsam zum Hof der Medicis empor und erreichte schliesslich im Alter von 46 Jahren, wonach er lange gestrebt hatte.

Die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern funktionierte in diesem System von Abhängigkeiten nur selten direkt. Auch in Galileis Karriere übernahmen die Schirmherren eine aktive Rolle bei der Übermittlung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sie beschenkten Patrons von anderen Gelehrten mit Galileis Büchern, welche diese an ihre eigenen Schützlinge weitergaben. Des Weiteren fädelten die Schirmherren am Hof inszenierte wissenschaftliche Streitgespräche ein. Die Patronage war ein System, das die wissenschaftliche Kommunikation förderte, legitimierte und den Wissenschaftlern Glaubwürdigkeit verlieh.

Die Diskussion in der Seminarsitzung hat gezeigt, dass die Frage nach der Funktionsweise des wissenschaftlichen Austausches bis heute nicht an Aktualität eingebüsst hat. So lassen sich verschiedene Parallelen zwischen dem Wissenschaftsbetrieb der frühen Neuzeit und der heutigen Forschung herstellen. Das Briefnetzwerk kann etwa mit den wissenschaftlichen Diskussionslisten auf dem Internet verglichen werden.

(Die Ausführungen zur Patronage finden sich in: Biagioli, Mario, Galilei, Der Höfling. Entdeckungen und Etikette. Vom Aufstieg der neuen Wissenschaft [Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff], Frankfurt am Main 1993)

--Angela Müller 16:43, 22. Mai 2008 (CEST)


Sitzungsbericht II

Geschichtswissenschaftliche Methodenveränderung

Die ersten »Erkenntnisse« naturphilosophischer Forscher der Antike basierten auf mittels Sinneserfahrung gesammelten Tatsachenbeständen und bezeichneten das daraus Abgeleitete . Es ist schwierig, eine klare Methodenbestimmung für diese Zeit vorzunehemen, denn der wissenschaftliche Rahmen war sehr frei und philosophisch, sodass gezogene Schlüsse eher unsystematischem und vielleicht sogar zufällig entdecktem Datenmaterial gefolgt waren. Wenn also überhaupt von einem bewusst angewandten, wissenschaftlichen Verfahren die Rede sein kann, dann von der Methode des Analogismus'.

Die griechischen Denker erlebten im Mittelalter durch die lateinischen Übersetzungen ihrer Werke eine neue Popularität. Methodentechnisch lösten sich mittelalterliche Forscher zunächst jedoch nicht aus dem Schatten der Antike, wobei aber immer mehr eine Hinwendung zur rationalen Arbeitsweise festzustellen war. Die Scholastik argumentierte zum Beispiel vorwiegend theologisch und moralphilosophisch und weniger empiristisch. Auch Kopernikus stützte seine Ausführungen zum Heliozentrischen Weltbild noch ausschliesslich auf die Gesetze der Mathematik und der Logik. Erst mit Galileis Darstellungweise konnten diese verfestigt werden.

Galilei verkörperte einen neuen Forscher-Typus, der das grundsätzliche Verhalten der Wissenschaftler beeinflusste und sich in der Neuzeit verstärkt durchsetzte. Das Vertrauen auf Sinneswahrnehmungen als oberste Erkenntsiquelle kehrte zurück und fungierte wieder als Ausgangslage neuzeitlicher Forschung, mit der Zielsetzung, sie in ein formales System zu bringen, das Experimenten eine Grundlage und Vergleichsbasis lieferte. Mit Galilei vollzog sich somit ein Methodenwandel von der Deduktion zur Induktion. --Anne-Diane Deprez 09:03, 23. Mai 2008 (CEST)