MediumBuchPodium

Aus HistnetWiki
Wechseln zu:Navigation, Suche

Zum Podium gibt es bereits einen Eintrag im Weblog und einen Flyer zum Herunterladen und Verteilen!




Das Buch am Ende? Am Ende das Buch!

Podiumsdiskussion 20.12.2007, Universität Basel, organisiert von Dr. Peter Haber

Bericht von Simon Wenger

Es diskutierten: Dr. Urs Breitenstein (Verleger, Präsident des Schweizerischen Buchhändler und Verlegerverbandes), Hannes Hug (Direktor der Universitätsbibliothek Basel), Dr. Uwe Jochum (wissenschaftlicher Bibliothekar, Konstanz), Martin Kluge (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Papiermuseum Basel), sowie Prof. Dr. Christof Tholen (Ordinarius am medienwissenschaftlichen Institut der Universität Basel).

Die Frage ist nicht ganz neu, aber nach wie vor brennend: Welche Bedeutung kommt dem Medium Buch im „medialen Verbund des 21. Jahrhunderts“ (Peter Haber) zu? Welchen alten oder neuen Stellenwert be- oder er-hält es angesichts des Aufstiegs der Neuen Medien und der elektronischen Informationstechnologie? Steht das Buch vor dem apokalyptischen Nichts oder durchmacht es bloss eine „produktive Krise“, wie Christof Tholen nahe legte?

Die Beantwortung solcher prognostischer Fragen setzt natürlich erstmal eine Diagnose der Gegenwart und deren Vorgeschichte voraus, was denn auch viele der Gesprächsbeiträge zu leisten versuchten. So identifizierte Martin Kluge die geschichtlich wohl wichtigste Eigenschaft des Mediums ‚Buch’ in seiner Eignung zum politischen Machtinstrument – was es allerdings gegenwärtig an das Internet verloren habe. Ob dieser in historischer Langzeitperspektive ausserordentliche, vielleicht revolutionäre Funktionsverlust auch ein Legitimationsverlust bedeute, glaube er allerdings nicht. In der Einschätzung von Hannes Hug deutete sich genau dies jedoch an, wenn er die Zukunft einzelner Buchsparten in Abhängigkeit brachte zur ihrer Funktionalität: Während der Krimi auch in zwanzig Jahren noch in die Hand genommen werden will, so verschiebt sich die wissenschaftliche Information schon seit geraumer Zeit auf die elektronischen Medien. Allerdings konnte er zumindest für das Buch ‚aus der Bibliothek’ gegenwärtig keinen Funktionsverlust feststellen. Die Ausleihzahlen seien nicht etwa rückläufig, sondern überaus stabil, und dies in der gleichen Zeit, in der die Downloadziffern exponentiell ansteigen würden. Es finde also vorläufig keine Medienablösung, sondern deren Ergänzung statt. Hug verwies auch auf die zur Zeit recht „rauhen“ Zustände auf dem Informationsmarkt. Die Digitalisierung der Information habe auch und nicht zuletzt eine rohe ökonomische Dimension. Sie verdoppelt die Verkaufsrechte, macht ihre zweifache Vermarktung möglich – einmal als Buch, einmal als Byte. An einem anderen Punkt setzte Uwe Jochum an. Er brandmarkte die Gleichsetzung von ‚Information’ und ‚Wissen’, die uns im heutigen Gemeinverständnis recht vertraut ist. Alles schreie nach Information, die blosse Information sei aber noch lange kein Wissen. Zur blanken Faktenwiedergabe müsse aktive Reflexion treten, um über Wissen im eigentlichen Sinne verfügen zu können. In der Linearität der Buchlektüre sieht er denn auch einen Wissensgaranten; die lineare Buchlektüre zwinge gewissermassen zum kognitiven Schritt von der Information zum Wissen. In diesem Sinne wurde denn auch Christof Tholens Charakterisierung des Buches als ein „umwegiges Medium“ verstanden. Das Buch fordere den Leser auf, die Denkpfade der Autorin in aller Ruhe nachzuvollziehen, ihnen aktiv zu folgen – was in der nervösen Welt des Netzes (Überall lauert ein Link! Überall flutet Information!) eher „schlecht denkbar“ sei. Während damit schon ein erster Ansatz zu einer Apologie des Buches angedeutet wurde, folgten bald weitere: Martin Kluge rief dazu auf, die „habitsche Qualität“ des Buches – das Ding zum Anfassen, zum Schmökern, zum Vorzeigen – weder aus den Augen, noch aus dem Sinn zu verlieren. Uwe Jochum wiederum brachte die frappante kulturgeschichtliche Schwelle, die wir im Begriff sind zu übertreten, in Anschlag: Seit 5000 Jahren gründet sich die symbolische Kompetenz und das kulturelle Gedächtnis des Menschen auf „menschenlesbare Datenträger“, sprich Buchstaben. Nun, am Übergang zum 21. Jahrhundert, schiebt sich die Technik zwischen das lesende Auge und den fixierten Sinn. Ohne das jeweils passende maschinelle Entzifferungsverfahren ist die einmal digital gespeicherte Information nie mehr lesbar. Ein Kulturverlust gigantischen Ausmasses rückt in den Kreis des Denkbaren. In ganz ähnlichem Sinn forderte denn auch Hannes Hug, am Medium Buch als Archiv festzuhalten. Das Buch sei der einzige Datenträger mit „wirklich langem Atem“, denn all die Bemühungen der letzten Jahre zum Trotz sei eine Lösung des Problems der langfristigen Archivierung der elektronischen Information nach wie vor nicht in Sicht.

Das Podium hat eine Handvoll kulturkritischer Statements formuliert, ohne sich in einer kulturpessimistischen Eindeutigkeit zu verlieren. Das Buch – so der Konsens – ist nicht Alles, aber doch Einiges. Daran muss man festhalten. Was gleichzeitig aber keinesfalls davon abhalten darf – auch das wurde gesagt –, die vielen Chancen und neuen Werte der elektronischen Medien anzuerkennen. Das 21. Jahrhundert darf nicht das Ende des Buches sein. Es darf aber und wird wohl eine Zeit grösserer medialer Vielfalt sein.

Simon Wenger





Ich bin ja sehr gespannt auf diese Podiumsdiskussion und was die verschiedenen Herrschaften dazu zu sagen haben. Meine persönliche Meinung zum Ende des Buches, sieht wohl so aus, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das Buch jemals von der Bildfläche verschwinden wird. Nicht nur, dass das Buch meiner Meinung nach unersetzbar für die Ausbildung/ das Studium ist, sondern es ist auch ein Liebhaberobjekt, das nicht so einfach durch einen Film oder durch einen digitalen Text auf dem PC ersetzt werden kann. Mit einem digitalen Text kann man sich nicht gemütlich in einen Sessel kuscheln und sich in der Welt des Romans (oder was auch immer) verlieren. Die Beobachtung die ich während des Semesters gemacht habe (v.a. in den Sitzungen Papiermuseum, UB, Schwabe und Karger): Wir hielten Bücher in den Händen die 500 Jahre alt waren und deren Qualität unbestritten grossartig und unglaublich ist! Da stellt sich mir einfach immer wieder von Neuem die Frage: Wie können die Bücher unseres Zeitalters nur so lange halten? Wenn ich mir die so anschaue, kann ich mir kaum vorstellen, dass sie in 500 Jahren eine vergleichbar gute Qualität haben wie die Bücher, die wir von so nahem ansehen und anfassen durften. (yasmin)

Wer sich für die Messe buchbasel interessiert: hier die neusten News http://www.buchbasel.ch/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaaahskz


Keine Messe BuchBasel mehr

Soeben wurde bekannt dass die Messe BuchBasel im nächsten Jahr nicht mehr stattfinden wird. Das Interesse der Aussteller sei zu gering und nach Millionendefiziten in den ersten 5 Jahren hat nun die Messe Schweiz als Veranstalter die sechste Ausgabe abgeblasen. Ein weiterer Grund dafür, dass die Messe nicht mehr weitergeführt werden kann sei die fehlende Unterstützung von Seiten der Buchbranche. Wichtige und grosse Verlage haben sich bis anhin nicht an dem Projekt BuchBasel beteiligt. Wie es in Zukunft aussehen wird, ist noch ungewiss, dass die Buchmesse 2009 aber im gleichen Rahmen weitergeführt wird ist eher unwahrscheinlich. Die Probleme bei der BuchBasel haben auch personelle Folgen: Stephan Lips, der die vom Basler Verleger Matthyas Jenny initiierte BuchBasel von Anfang an geleitet hatte, verlässt die Messe Schweiz. Das Basler Literaturfestival aber, das bis anhin gleichzeitig wie die BuchBasel stattfand, wird auch 2008 durchgeführt. Es wird auf den Herbst verlegt.