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Der Schwabe Verlag

Im Jahr 1488 gründete Johannes Petri in Basel ein Unternehmen, das heute als ältestes Druck- und Verlagshaus der Welt gilt. Mittlerweile nennt es sich Schwabe AG und ist an der Steinentorstrasse 13 in Basel zu finden. Zum heutigen Namen kam es, als es 1868 nach verschiedenen Umgestaltungen und Veränderungen der Besitzverhältnisse vom Drucker und Verleger Benno Schwabe übernommen wurde. Der Gründer Johannes Petri arbeitete eng mit Johannes Froben zusammen, der als wichtiger Basler Drucker vor allem deshalb Bedeutung erlangte, weil zu seinen «Hausautoren» (so Dr. phil. Ueli Dill von der Basler Universitätsbibliothek) Erasmus von Rotterdam gehörte, dessen zentrale Werke er in Basel verlegte. Aufsehen erregten die beiden Drucker, als sie gemeinsam mit Johannes Amerbach eine Augustinus-Ausgabe druckten. Ein solches Exemplar der drei Hansen (da alle mit Vornamen Johannes hießen, nannten sie sich «Tres Hansen») ist noch heute im Sitzungszimmer des Schwabe Verlages an der Steinentorstrasse zu bewundern. Überhaupt findet sich beim Basler Schwabe Verlag viel Tradition - so gehört er neben dem Münchner Verlagshaus C. H. Beck zu den selten gewordenen Verlagen, die ihre verlegten Werke im eigenen Haus drucken. Das Handwerk des Bindens, das die Blätter erst zum Buch macht, findet allerdings außerhalb des Verlagshauses statt. Doch war auch dies zu Zeiten des Johannes Petri nicht anders: Weder er noch Froben oder Amerbach haben in ihrem Betrieb Buchbinder ausbilden lassen oder das Handwerk selbst beherrscht.


Hier ein guter Link zur interessanten Verlagsgeschichte.

Der Beruf des/r Verleger/in

Besonders interessant erschien, was uns der Verlagsleiter des Schwabe Verlages, David Marc Hoffmann, über den Beruf des/r Verleger/in sehr anschaulich und einprägsam zu vermitteln wusste. So waren die ersten Buchdrucker wie auch Johannes Petri, der Gründer des Verlag- und Druckhauses Schwabe, nicht nur Verleger, sondern Drucker, Verleger und Buchhändler zugleich und damit sowohl Handwerker als auch Kaufleute. Johannes Petri, 1441 in Franken geboren, hatte in Mainz noch zu Lebzeiten Johannes Gutenbergs (1400-1468) in Mainz die Buchdruckerkunst und den Schriftguss erlernt und nach der Gründung der Universität Basel (1460) in Basel als einem der frühesten Druckorte der Welt die «Petrinische Offizin» gegründet - eine Druckerei, die als Vorläufer des Schwabe Verlages in die Geschichte eingegangen ist. Dass Petri in die Safran-Zunft, die Zunft der Händler, aufgenommen wurde, führt zu dem Aspekt, den Herr Hoffmann ansprach: Der Begriff «Verleger» bezieht sich darauf, dass ein Verleger enorme Finanzmittel «vorlegen» muss - für Papier und Maschinen, für Autoren, Setzer und Buchbinder - bevor überhaupt irgendeine Einnahme erzielt werden kann. Der Verleger trägt also das Risiko des Verkaufs der gedruckten Auflage und hat damit eine bedeutende Verantwortung inne - dies hat sich seit Gutenberg bis heute nicht geändert. Doch gerade deshalb erscheint der Beruf des Verlegers interessant und spannend.

Einen weiteren Aspekt zum besseren Verständnis dessen, was den Beruf eines Verlegers, einer Verlegerin ausmacht, ergänzte Gabi Karger bei unserem Besuch im KARGER Verlag, einem medizinisch-wissenschaftlichen Fachverlag: In ihren Worten ist es «die Aufgabe des Verlegers, Makler des Wissens zu sein» (Zitat).

Verlagstradition in Basel

Der Schwabe Verlag in Basel ist das älteste Druck- und Verlagshaus der Welt. Er ist einer der wenigen Verlage, die sowohl produzieren als auch publizieren. Das Buch sei schon zu Beginn seiner Entstehung optimal gewesen, erzählt David Marc Hoffmann, Leiter des renommierten Verlages. «Auf das Buch kann nicht verzichtet werden.» Hoffmann bezeichnet sich selbst als großen Skeptiker, wenn es um die modernen Medien geht. Veröffentlichungen eines Verlages würden schlicht ernster genommen als Berichte im Internet. So ist für Hoffmann das Internet kein Alternativ-, sondern ein Komplementärmedium. Die Erfolgsgeschichte des Verlages dauert seit über 500 Jahren an. Genauer seit 1488, als der Drucker-Verleger Johannes Petri das Basler Bürger- und Zunftrecht erlangte. 1988 wurde im Rahmen der 500-Jahr-Feier eine Buchausstellung unter dem Namen «1488 Petri - Schwabe 1988» gezeigt. Einiges aus dem heutigen Layout hatte seinen Ursprung bereits vor 500 Jahren. Die heutige «Rubrik» stammt ursprünglich von «rubrica», was rote Erde bedeutet. Mit roter Farbe wurden Überschriften oder Initialen eingefügt, um einen neuen Abschnitt einzuleiten. Sogar das heutige Paragraphenzeichen, auch damals bekannt als Alinea-Zeichen, wurde früher von den Schreibern von Hand hingemalt, um den Beginn eines Absatzes einzuleiten. Die Schwerpunkte des Verlagsprogramms sind Geisteswissenschaften und Medizin, deren Inhalte von 12 akademischen Lektorinnen und Lektoren geprüft werden. Über 60 Bücher und Zeitschriften werden im Jahr publiziert. Dabei würden die «Weltverbesserer und Kräutersammler» grundsätzlich abgelehnt, meint Hoffmann. Der Schwabe Verlag legt Wert darauf, Bücher zu publizieren, die auch zu seinem Konzept passen. Das Logo des Verlages reicht bis in die Anfänge der Buchdruckkunst zurück. Es ist die Druckermarke der Petri und illustriert die Bibelstelle Jeremias 23,29: «Sind nicht meine Worte wie Feuer, spricht der Herr, wie ein Hammer, der den Felsen zerschmettert?» Dem Druck- und Verlagshaus gehört auch noch die Buchhandlung «das Narrenschiff» und der Schweizerische Ärzteverlag EMH an.

Ein Bericht zum Besuch im Schwabe Verlag Basel

Von Annika Bischof

Das Medium Buch stand im Mittelpunkt der Diskussion, die der Verlagsleiter David Marc Hoffmann mit dreißig Studierenden der Universität Basel führte. Eine Zusammenkunft, die auf Initiative von Buchwissenschaftler und Dozent Peter Haber zustande kam.

Dabei ging es vor allem um die Entwicklung des Buches im 21. Jahrhundert. «Worin sehen Sie die Zukunft des Buches?», lautete eine der Fragen der Studierenden an David Marc Hoffmann. «Das Buch habe trotz aller neuen Medien einen gewaltigen Stellenwert», argumentierte er. Es gebe kein weiteres Medium, das sich über 500 Jahre so gehalten habe. «Das Buch ist das Nonplusultra der Vermittlung», meinte Hoffmann. Er stehe den neuen Medien, die vor allem durch das Internet geprägt worden seien, sehr skeptisch gegenüber. Für ihn haben Online-Veröffentlichungen eine «hohe Datenmigration» zur Folge. Damit sprach Hoffmann die Schnelllebigkeit von neuen Techniken in der Medienwelt an. Dazu gehörten allen voran das Internet und die Digitalisierung von Büchern. «Ein großes Thema» in der Buchbranche, wie Hoffmann es beschreibt. «Die technische Entwicklung ist so schnelllebig, dass es schwierig ist, Daten zu finden, festzuhalten und letztendlich wieder abrufbar zu machen», so Hoffmann. Durch verschiedenste Formate von Dateien sei es kompliziert geworden, alte Informationen und Schriften wieder zu verwenden. «Was vor einigen Jahren noch aktuell war, ist heutzutage nicht mehr so einfach zugänglich, weil die Geräte oder Programme fehlen», erläutert der Verleger. Ganz gut könne man dies am Beispiel der Diskette sehen. Das sei beim Buch nicht der Fall, führte er weiter aus. Darauf könne man jederzeit zurückgreifen und hätte alle Daten beisammen. Es gäbe beim Buch nur ein Format und das schon seit 500 Jahren. «Das Buch als Medium hat keine Fortschritte gemacht, es war von Anfang an optimal», argumentierte David Marc Hoffmann. Zum Ende der Diskussion zeigte Verlagsleiter Hoffmann den Studierenden noch die ältesten Bücher des Hauses Schwabe: Sammelwerke, mit denen er seine Argumentation noch untermauerte. «Sehen Sie, was Sie an diesen Büchern haben», lud er die Anwesenden zum Anfassen und Anschauen der 500-jährigen Wälzer ein.