Open Library

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open library

"What if there were a library that held every book? Not every book on sale, or every important book, or even every book in English, but simply every book — a key part of our planet's cultural legacy." (The Open Library : About us)

Bei open library handelt es sich um das das Projekt einer eigentlichen digitalen Weltbibliothek mit der Idee, jedem Buch der Welt (mindestens) eine Seite im Internet zu erstellen. Es befindet sich seit Frühjahr 2007 in der Testphase. Das Projekt baut auf dem gleichnamigen Digitalisierungsprojekt des Internet Archive auf. Dieses wiederum ist Teil der Open Content Alliance, welche sich als Antwort auf Google Books konstituiert hat. Initiator und Leiter des Projekts ist der erst 22-jährige Aaron Swartz.

Idee

Open Library geht grundsätzlich – anders als grosse Verbundkataloge wie worldcat oder Metakataloge wie KVK – nicht von bibliothekarischen Beständen aus, sondern von Büchern als zu repräsentierenden Objekten. Die Bücher beschreibende Daten (bibliografische Beschreibungen und weitere Metadaten) sind wie in einem wiki frei editierbar. Dabei können alle Inhalte (Autoren, Titel, ISBN, aber natürlich auch Buchbesprechungen, etc.) verändert werden, erhalten bleibt aber die Datenstruktur, welche die maschinelle Lesbarkeit garantieren soll.

Mittels des Prinzips, dass die Seiten von allen Benutzern und Benutzerinnen online verändert und ausgebaut werden können, soll open library eine "wahre Bibliothek der Ideen" werden, ein von Benutzern gewobenes Netz, dessen Knoten Bücher darstellen. Die Verbindungen können in alle Richtungen gehen, beispielsweise:

  • thematisch anhand verschiedener Sacherschliessungs- und Klassifizierungsmethoden sowie freier Stichwortvergabe (tagging) zu verwandten Büchern;
  • mittels definierter Relationen zwischen Einträgen gemäss dem Datenmodell FRBR zu anderen Ausgaben, Übersetzungen oder Adaptionen;
  • über kontextsensitive Links und Suchdienste zu Buchhändlern (im Netz oder der Region) ebenso wie zu Bibliotheken mit entsprechenden Beständen;
  • und schliesslich per download zur digitalen Entsprechung des Titels, die entweder bereits vorhanden ist oder durch einen Scan-Auftrag erstellt wird. Ebenso sollen Benutzerinnen eigene Scans nicht mehr urheberrechtlich geschützter Titel hochladen können.

Inhalt und Formate

Nach eigenen Angaben enthält open library im März 2008 gegen 20 Millionen Datensätze, d.h. bibliografische Beschreibungen von Monografien. Zeitschriften und weitere Medien sollen zu einem noch unbestimmten späteren Zeitpunkt eingebunden werden. Die Datenbank enthält ältere Aufnahmen der Library of Congress, den Zentralkatalog der britischen Firma Talis, Daten der University of North Carolina oder vom Buchhandel bezogene Informationen. Eine weitere Kooperation zur Erweiterung der Datenbasis ist mit librarything geplant. Ebenso sollen Benutzer eigene Titel eintragen können und – falls legal – entsprechende Digitalisate hinzufügen.

Formate und Technologie

Mit Blick auf diese unterschiedliche Datenherkunft wird deutlich, dass eines der grossen Probleme die Integration unterschiedlicher Formate ist. Die Katalogdaten verschiedener Bibliotheken sind in MARC gespeichert, Daten von Verlagen und dem Buchhandel in ONIX, weitere Metadatenformate kommen hinzu. Da ein herkömmliches bibliografisches Format nicht ausreicht, um die zahlreichen Informationen und Beziehungen abzubilden, entwickelt open library ein Schema unter dem Titel futurelib. Entsprechende Entwürfe sehen eine enge Anlehnung an Dublic Core Standards und eine weitgehende Implementierung des FRBR-Modells vor.

Die Realisierung von open library verlangte von den Entwicklern eine Datenbank, die verschiedenen Anforderungen gerecht wird. Einerseits soll sie Millionen von Aufnahmen inklusive deren Editionen speichern und darüber hinaus jedem Benutzer und jeder Benutzerin Änderungen ermöglichen. Über alle Änderungen werden dabei die je nach Objekt (d.h. Buch, Autor, Benutzer, Schlagwort, etc.) unterschiedlichen Datenstrukturen erhalten bleiben. Eine eigens programmierte objektorientierte Datenbank namens ThingDB erfüllt diese Anforderungen. Die Darstellung der Daten erfolgt über die wiki-Software infogami, in welcher die einzelnen Seiten je nach Objekt unterschiedlich strukturierte Ansichts- und Eingabemöglichkeiten offerieren.

Fazit

In der bibliothekarischen Fachliteratur hat das Projekt open library bis anhin kaum Widerhall gefunden. Eine breitere Diskussion findet in Weblogs statt, häufig mit einem Schwerpunkt auf der Programmierung, der Integration und Transformierung von Datenformen sowie dem Ausbau von Benutzerschnittstellen. Open library funktioniert damit als Ort der Diskussion und Entwicklung von neuen Technologien weit über das Bibliothekswesen hinaus. Das Projekt leistet im Moment jedoch kaum einen praktischen Beitrag zu bibliothekarischen Dienstleistungen und Arbeiten wie der Fernleihe oder der Versorgung mit Fremddaten. Auch ist es nicht in digitale Angebote wie googlebooks oder MSN live search books eingebunden. So gesehen ist es (vorläufig) auch kein Konkurrent zu worldcat und anderen Verbünden.

Vorläufig genügt der Katalog bibliografischen Grundsätzen wie der Eindeutigkeit von Autor und Titel sowie (durch das wiki) der Stabilität entsprechender Einträge nicht. Entsprechende Qualitätskontrollen müssen wohl einerseits automatisiert ablaufen, andererseits aber auch manuell durchgeführt werden. Die Benutzergemeinschaft, die wie in wikipedia auch eingreifen soll, ist zur Zeit bei open library noch derart klein, dass an allen Inhalten täglich nur zwischen fünf und zehn Änderungen vorgenommen werden.

Es bleibt offen, in welche Richtung sich open library entwickeln wird, die demo-Phase sollte gemäss eigenen Ankündigungen eigentlich im März 2008 abgeschlossen sein. Mögliche Entwicklungen könnten sein:

  • Open library entwickelt sich zu einer grossen Plattform für alte Buchbestände und Digitalisate bis hin zu einer Plattform für Selbstpublikation im Netz.
  • Für Bibliotheken, die sich die Teilnahme an grossen Verbünden wie OCLC nicht leisten können, bietet open library einen Ausweg. Hier treffen sich (in Zusammenarbeit mit librarything) kleinere und öffentliche Bibliotheken mit Lesern und Buchliebhabern.
  • In Zusammenarbeit mit wikipedia wird open library Teil eines Netzwerkes frei zugänglichen Wissens. Bibliotheken nehmen daran teil, weil ihre Kundinnen und Kunden Informationen aus diesem Netzwerk beziehen. Durch die grossflächige Teilnahme von Bibliotheken und Bibliothekaren würde auch die bibliografische Qualität gesichert.

Links

Literatur

  • Andrea Foster, "An upstart web catalog challenges an academic-library giant", Chronicle of Higher Education, February 22, 2008.

Tags

  • Katalogisierung
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