Wikipedia im Bildungswesen

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Umgang mit Wikipedia in Schulen

Die Meinungen zur Verwendung von Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten sind sehr unterschiedlich. Meine Recherchen haben jedoch sowohl offene als auch total ablehnende Haltungen gegenüber der Thematik aufgezeigt.

Die Variante 1 sieht ein generelles Verbot von Wikipedia an Schulen und Universitäten vor. Diese Lösung ist denkbar ungünstig und nicht durchsetzbar. Wikipedia wird weiterhin genutzt, erhält aber zusätzlich den Touch des verbotenen.

Die Variante 2 sieht das Ignorieren der Thematik vor. Gleichermaßen wie die Variante 1, führt diese Lösung zu keinem brauchbaren Ansatz mit dem Umgang Wikipedias. Die Aussagen aus der Enzyklopädie werden lediglich kopiert, und es findet keine eigene Meinungsbildung mehr statt. Zudem fehlt die Motivation das Rad neu zu erfinden, wenn es doch bereits in Wikipedia nieder geschrieben steht.

Die letzte Variante, Nummer 3, ist Zukunftsorientiert und befasst sich mit der Wissensansammlung Wikipedia. Sie sieht eine Anpassung des Unterrichts vor, in dem Schüler in dem Umgang mit der Enzyklopädie geschult werden, die stärken und schwächen aufzeigt und/oder sogar das verfassen von Wikipedia Artikeln fördert wird. Die Folge ist die Fähigkeit, Inhalte richtig evaluieren zu können und somit das Lernen auf einem höheren Niveau zu ermöglichen. Am Schreibprozess in einem Wiki teilzunehmen trägt zur Verbesserung der Schreibqualität bei, sowie der Fähigkeit zu recherchieren und illustrieren (Urheberrecht usw.) und fördert die Zusammenarbeit.


An den Universitäten ist das Thema „Wikipedia als Quelle“ noch viel brisanter als an Grund und Hochschulen. US Colleges und Universitäten machen Schlagzeilen mit Zitierverboten von Wikipedia Inhalten: Copy & Past oder den Zugriffsverbot auf die Website: U.S. senator: It's time to ban Wikipedia in schools, libraries.


Wikipedia als Quelle in wissenschaftlichen Arbeiten

Viele Schulen und Universitäten stellen sich heutzutage die Frage ob Wikipediaartikel zitierfähig sind.

Wikipedia zu verbieten hat keinen Sinn, die Studenten nutzen es ja doch. Viel wichtiger ist es, den Umgang damit zu schulen und somit ein höheres Lernniveau zu erreichen. Die anhaltenden Debatten über Zitierverbote und Zugriffsverweigerungen auf die Seite entstehen nicht grundlos. Wikipedia ist eine Enzyklopädie, ein Lexikon, mit dem Inhalt scientia generalis (Allgemeinwissenschaft) zu verbreiten. Zudem bringt der ständig wechselnde Inhalt Probleme bei Zitieren mit sich (Versionen außer acht gelassen). Entscheidet für das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten ist die Kenntnis über aktuelle Fachliteratur (Bücher usw.) und die Fähigkeit dieses Wissen anzuwenden. Wikipedia kann sich mit der Fachliteratur nicht messen, besitzt aber andere Fähigkeiten die bei dem Verfassen nützlich sein können.

  • Einen groben Überblick verschaffen: Welche Konzepte sind mit einem Inhaltsbereich verknüpft? Welche Anwendungsfelder gibt es?
  • Begriffe klären: Beim Lesen von Texten tauchen natürlicherweise ab und zu Begriffe auf, die man nicht kennt. Wenn ein schnelles, oberflächliches Nachlesen genügt, dann ist Wikipedia recht hilfreich.
  • Weitere Quellen ermitteln: In Wikipedia-Artikeln sind häufig Literaturreferenzen oder Internet-Links angegeben, die für die Arbeit von Interesse sein können.
  • Über aktuelle Tendenzen informieren: Der große Vorteil von Wikipedia ist die Aktualität. Hier kann man sich ganz taufrische Informationen holen, die noch keinen Einzug in Fachbücher gefunden haben.

(Quelle: cspannagel)

Die Freie Enzyklopädie hat also ihre Stärken und Schwächen. Ihre größte Kompetenz ist mit Sicherheit ihr einfacher Zugang und die Aktualität. Jedoch sollte man beim konsumieren immer vor Augen haben, dass jeder illustrieren kann und somit Fehler einbauen könnte. Nutzt man es jedoch, um sich in ein Gebiet einzulesen und einen groben Überblick über eine Thematik zu erlangen, kann man mit Wikipedia nichts falsch machen. Zitieren sollte man Wikipedia jedoch nur, wenn es zu dem Thema keine aktuelle Literatur gibt, oder es handelt sich um ein technisches Themengebiet, das im Internet meist besser dokumentiert ist also in der Literatur.

Als nächstes werde ich mich mit der Medienkompetenz und kritische Rezeption befassen.

Weitere Informationen zum Thema Dürfen Schüler die Wikipedia verwenden? und unter Wikipedia für Schüler


Medienkompetenz - Entscheidet über Erfolg und Misserfolg

Entscheident über Sieg und Niederlage, beim der Verwendung von Wikipedia, ist die Medienkompetenz. Darunter fällt das Medienangebot richtig einschätzen zu können und zu evaluieren ob es für die weitere Verwendung brauchbar ist. Bücher haben heute, bei den Schülern, einen immer kleineren Stellenwert und werden abgelöst durch Wikipedia-Artikel und zusammengegoogeltem Wissen.

In einer unter Schülern einer 12. Jahrgangsstufe durchgeführten Umfrage hatten 63 Prozent der Befragten angegeben, Wikipedia oder Google seien ihre erste Wahl unter den Informationsquellen zur Unterrichtsnachbereitung. Gedruckte Nachschlagewerke landeten hingegen bei nur 21 Prozent. Quelle: Wikimedia

In diesem Artikel der Wikimedia, (Schüler und Lehrer lernen Umgang mit der Wikipedia) wird ein Workshop an einer Hochschule vorgestellt, der sich mit dem Umgang mit Wikipedia auseinander setzt und Fragen aufgebracht hat wie: "Woran kann ich einen guten Wikipedia-Artikel erkennen?" und "Was muss ich beachten, wenn ich meine Informationen aus der Wikipedia beziehe?". Fazit dieses Workshops ist die Kenntnis, dass großer Informationsbedarf bei der Jugend zu diesem Thema existiert. Es fehlen eine kritische Auseinandersetzung mit den Neuen Medien und die Fähigkeit Informationen aus dem Internet angemessen zu bewerten.


An den Grundlagen der Medienkompetenz von Dieter Baake, werde ich die benötigten Fähigkeiten im Bezug auf Wikipedia erläutern:


Medienkritik:

  • analytisch:

Medien(entwicklungen) nicht kritiklos hinnehmen sondern „unterscheidend“ beurteilen können. Man kann nicht von einem Wiki-Artikel auf einen anderen schließen, war der vorhergehende gut, ist das keine gültige Information für einen anderen Wiki-Artikel. Aus diesem Grund ist es von großer Wichtigkeit, jeden Artikel seperat auf seine Brauchbarkeit zu analysieren. Zudem findet auf dem Wiki kollaboratives schreiben statt, es können also gleichermaßen konstruktive wie auch destruktive Autoren Informationen online stellen.

  • reflexiv:

Analytisches Wissen auf sich selbst und sein eigenes Handeln anwenden können.

  • ethisch:

Einbinden in ethische Konzepte.


Medienkunde

  • informativ:

Klassische Wissensbestände, Medienwissen. Um ein Medium kompetent nutzen zu können, muss man sich über die Vor- und Nachteile dieses Mediums bewusst sein, um die medienkritischen Fähigkeiten richtig anwenden zu können. In unserem Fall, müssen wir über den Ablauf des schreibens eines Wiki-Artikels bescheid wissen, sowie über die verschiedenen Möglichkeiten Beiträge zu verändern oder gar zu verfälschen. Erst wenn wir die Gefahren kennen, können wir die Vorteile herausfiltern.

  • instrumentell-qualifikatorisch:

Die Fähigkeit zur Bedienung neuer Medien. Wenn wir uns das nötige KnowHow über die Plattform angeeignet haben müssen wir trotzdem noch den richtigen Umgang mit der Plattform lernen. Darunter fallen Suchverfahren und das kompetente Nutzen von Tools zur Qualitätskontrolle auf der Wikiplattform. Die wenigsten kennen die mächtigen Validierungstools wie die Versionskontrolle oder die Diskussionsseite. Oftmals findet man hier die wichtigsten Informationen.


Mediennutzung

  • rezeptiv, anwendend:

Die Fähigkeit das Gelesene, Gehörte oder Gesehene zu verarbeiten (Programm-Nutzungskompetenz). Mit dem KnowHow aus der Medienkunde und dem kritischen Blick aus der Medienkritik, haben wir die benötigten Fähigkeiten Wikipedia kompetent zu nutzen, wir müssen nur die Regeln verfolgen.

  • interaktiv, anbietend:

Der Nutzer ist nicht nur Rezipient, sondern auch Anbieter von Medienbotschaften (Prosumer). Ein Aspekt der Medienkompetenz ist die aktive Teilnahme am Medienschaffungsprozess. Naheliegend wäre das bei dem WIki, dass Ausarbeiten eines Wiki-Artikels.


Mediengestaltung

  • innovativ:

Veränderungen, Weiterentwicklung des Mediensystems innerhalb der angelegten Logik.

  • kreativ:
  1. Ästhetische Varianten
  2. Kommunikationsroutinen durchbrechen
  3. neue Gestaltungs- und Thematisierungsmöglichkeiten


Nach Tulodziecki definiert die Medienkompetenz als Fähigkeit:

  • Medienangebote sinnvoll auszuwählen und zu nutzen
  • eigene Medien zu gestalten und zu verbreiten
  • Mediengestaltungen zu verstehen und zu bewerten
  • Medieneinflüsse zu erkennen und aufzubearbeiten
  • Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung zu durchschauen und zu beurteilen


Vorzeigeprojekte an Schulen und Universitäten

Hildesheimer Gymnasium Adreanum

Wikimedia Deutschland hat eine am 22. September 2006, am Hildesheimer Gymnasium Adreanum ein Piloprojekt gestartet, um den Umgang mit Wikipedia Schülern zu vermitteln. Die vermittelten Inhalte wurde im Rahmen eines Workshops vermittelt. "Das Projekt basiert auf der Beobachtung, dass Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe ihre Informationen heutzutage in hohem Maße aus dem Internet beziehen und diesen allzu häufig unkritisch begegnen. [...] Im Mittelpunkt der Vorträge und Workshops standen Fragen wie „Woran kann ich einen guten Wikipedia-Artikel erkennen?“ und „Was muss ich beachten, wenn ich meine Informationen aus der Wikipedia beziehe?“ Insgesamt nahmen rund 110 Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe sowie rund 20 Lehrer und Elternvertreter an dem Aktionstag teil." (Quelle: Wikipedia Schulprojekt)

Schulen die ebenfalls an solch einem Workshop interessiert sind, haben die Möglichkeit sich bei Wikimedia zu registrieren. Diese versuchen gerade die nötigen Sponsoren aufzutreiben, um weitere Workshops zu realisieren. Das Projekt Hildesheimer Gymnasium ist Langfristig ausgelegt und soll weiterhin bestehen bleiben.

Derzeit arbeiten die Veranstalter an eienr Informationsbroschüre mit konkreten Tipps zum reflektierten Umgang mit der Wikipedia in der schulischen Praxis.

Am 15. Juli 2008 berichte Wikimedia über die Bereitstellung von 15000 Euro für das Projekt, sowie eine befristet Mitarbeiterin vom 1. Juli für 4 Monate, die sich um die Projektkonzipierung und -leitung kümmern soll. Ziel ist es, innerhalb der nächsten Monate mindestens zwei Veranstaltungen durchzuführen. (Bericht zur Vorstandssitzung am 29. Juni)

(Sekundärquelle: Wikipediaschulprojekt)


Schulprojekt_MM.jpg

Quelle: Foto


Prakische Anwendungsbeispiele für den Schulunterricht

Es hat wenig Sinn, zu junge Schüler in den Wikipediaschreibprozess zu involvieren. Sollten sie noch jünger sein, beschränkt man sich lieber auf das bewusste rezipieren. Sehr viele der erstellten Artikel überleben nämlich nicht die erste Stunde. Weder für die Autoren noch für die Administratoren enthält dieser Versuch viel vergnügen.


Szenario 1: Schüler schreiben gemeinsam einen Wikipediaartikel

  • Nutzen: Dabei lernen sie kollaboratives arbeiten auf einer öffentlichen Plattform und schärfen dabei ihre Schreib- und Recherchefähigkeiten.
  • Problem: Die Artikel werden individuell Bewertet, die Reaktion aus der Community sind nicht abschäzbar. Solide Arbeit kann wegen Richtlinien abgelehnt werden, die Folge könnte frustrierend für Schüler sein.


Szenario 2: Verfassen einer Arbeit über Wikipedia als Werkzeug

  • Darstellung der Stärken und Schwächen des Projekts, sowie die richtige Arbeitsweise damit.

(Quelle: itworks.schulen-ans-netz.de)


Wikipedia im Lehrerzimmer

Um den Schülern überhaupt etwas über Wikipedia beibringen zu können, ist es wichtig, dass sich die Lehrer vorher mit dem Thema unvoreingenommen beschäftigt haben und die Vor- und Nachteile von Wikipedia kennen. Erst dann sind sie in der Lage, den Schülern hilfreiche und begründete Ratschläge zu erteilen.

Im folgenden werde ich einen kurzen Leitfaden für Lehrer vorstellen, die ihre Schüler in den Wikipedia-Schreibprozess einführen wollen.

Wie oben erwähnt, achte zuerst darauf, ob deine Schüler bereit sind und den willen zu dieser Aufgabe haben. Unter Zwang entsteht nur sehr unwahrscheinlich ein beständiger Artikel.

  1. Überstürze nichts! Zeige deinen Schülern wie sie sich bei Wikipedia registrieren.
  2. Benutzerseite zeigen.
  3. Erkläre den Aufbau von Wikipedia und kläre über die Administration auf.
  4. Hausaufgabe: Artikel lesen und maximal Rechtschreibfehler verbessern.
  5. Diskutieren über das erfahrene.
  6. Thema finden das es noch nicht gibt.
  7. Um Misserfolg vorzubeugen sollte ein stichfester Artikel entstehen. Dabei sollte der Gedanke von Wikipedia und dem kollaborativem Schreiben weiter geben werden.
  8. Relevanzkriterien und Vorgaben sollten überprüft werden.
  9. Dann kann der Artikel in den Artikelnamensraum übertragen werden.


Klären sie ihre Schüler über die mögliche Löschung und über die Kontrollverfahren von Wikipedia auf. Eine Löschung sollte auf keinenfall zur Aufgabe führen. Quelle: Wikipedia im Lehrerzimmer und Wikipedia in der Schule.


Probleme für den Unterricht

Wikipedia, und weiter gefasst das Internet, sollte nicht pauschal als Problem an den Schulen gesehen werden, lediglich das Nutzungverhalten der Schüler. Diese sind heutzutage nämlich ohne große Mühen in der Lage, umfangreiche Referate durch Copy & Past aus dem WWW zusammenzustellen. Hierdurch entsteht natürlich erhöhter Kontrollbedarf auf Plagiate, die Mittels Google jedoch leicht nachvollziehbar sein sollten. Um die Nutzung von Internetquellen entgegenzuwirken, könnte man auf die Verwendung einer anderen Quelle beharren und lediglich Aktuelle Wandlungen aus dem Internet zulassen.