Wikis und Blogs als neue wissenschaftliche Arbeitsinstrumente

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Die Umwälzung der gesamten Medienlandschaft durch die neuen Webtechnologien, allen voran durch Wikis und Blogs, nehmen nach und nach Einfluss auf die Arbeitsweise und den Wirkungsraum von Historikerinnen und Historikern. In den abgeschlossenen, fachinternen Diskussions- und Forschungsräumen unterstützen Wikis und Blogs kollaborativ angelegte Forschungsprojekte. Im öffentlich zugänglichem Worlde Wide Web sind Historikerinnen und Historiker mit einem völlig neuartigem medialen Raum konfrontiert, der sowohl geschichtspolitisch als auch forschungsbezogen neue Handlungsmöglichkeiten bietet. Die folgenden Überlegungen konzentrieren sich auf die Chancen öffentlicher Medien im WWW.

Neuartige Kommunikations- und Aktionsräume

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Web 2.0 als Diskussions- und Vermittlungsraum

Im Blick zurück diente das "alte" Web in erster Linie als Publikationsmedium. Viele Internetseiten waren nicht mehr als bessere Visitenkarten. Freilich nutzten engagierte Historikerinnen und Historiker schon früh das Netz, um Beiträge und Quellen zur Verfügung zu stellen. Kommentierte Verweise über Linklisten und öffentliche Dikussionsorte gab es auch schon in Foren und E-Mail-Listen. Doch im Wesentlichen wurde das Internet als One-to-Many-Medium wahrgenommen und genutzt.

Das änderte sich mit der Einführung der sogenannten Web 2.0-Technologien. Diese veränderten das "alte" Web, weil ...

  • ... dort jetzt Informationen von verschiedenen Autoren öffentlich zusammengetragen werden können. In Wikis schreibt idealerweise nicht ein Autor, sondern es schreiben mehrere.
  • ... Wikis, Blogs und Networks dezidiert dynamische Medien sind, die bewusst Meinungsbildungs- und Selbstorganisationsprozesse unterstützen. Wikiartikel sind nie fertig, sondern können und wollen weiterentwickelt werden, Blogs unterstreichen den aktuellen Bezug ihrer Beiträge und betonen ihren subjektiven und situativen Charakter.
  • ... diese neuen Technologien die Kommunikation im WWW in den Mittelpunkt rücken. Ab einem gewissen Zeitpunkt erfordern von mehreren Autoren editierbare Wikiartikel die Diskussion über deren Aufbau und Inhalte. Blogs haben standardmäßig Kommentarfunktion. Ein Blog klinkt sich sinnvollerweise in die Blogosphäre ein, das heißt Beiträge werden auch andernorts empfohlen, zitiert und kommentiert.
  • ... das Web selbst unter den vorgenannten Bedingungen zum Dokumentationsort wird. Dokumente werden nicht nur von Institutionen bereitgestellt, sondern können über Dienste im Netz selbst (z. B. bei Wikisource) gelagert werden. Durch die öffentlichen und nachvollziehbaren Kommunikations- und Dokumentationsprozesse wird das Web selbst zur Quelle.

Eine der wichtigsten Konsequenzen dieser Entwicklung ist die Entwicklung einer Ansammlung völlig neuartiger Kommunikations- und Diskussionsräume. Über das Web treten nun Menschen in Verbindung. Sie verweisen in Blogs, Wikis und Social Networks auf für sie wichtige Internetseiten und Vorkommnisse. Beispielsweise vermitteln neben Wikipedia zahlreiche Regionalwikis historisches Wissen und Quellen im Netz. Über die Blogosphäre können über Nacht geschichtspolitische Themen eine Breite Öffentlichkeit erreichen. Das heißt, über das Netz wird nun über komplexe Aushandlungsprozesse definiert, was wie ins historische Gedächtnis gerufen wird und was nicht. Die Nutzer geben diese Informationen oft nicht nur einfach weiter, sondern kommentieren diese, bereiten die Inhalte zum Teil auf, ergänzen diese, fassen sie zusammen. Es entsteht u.a. ein dezentrales kollektiv verwaltetes technisches Großssystem mit kommentierten Verweisen.

In diesem System gilt: "publish digital or perish". Es wird mehr digital publiziert, aber Quellen, die nicht zur Verfügung stehen, werden von den online recherchierenden und unter Zeitdruck stehenden Lehrern, Forschern, Laien möglicherweise erst gar nicht mehr herangezogen. Hieraus erwächst - wie auch die Open Access Bewegung schon seit einigen Jahren unterstreicht - eine wichtige Aufgabe beispielsweise für Archive und Bibliotheken.

Darüber hinaus wird es eine zentrale Rolle spielen, dass die im Web 2.0 geführten Diskussionen von wissenschaftlicher Seite auch aktiv unterstützt werden. Hier entsteht der Bedarf für eine neue Vermittlerschicht, die ich behelfsweise abgeleitet von den Begriffen "digital historian" und "public history" Public Digital Historians nennen möchte (vgl. meinen Blogbeitrag zur Tagung.

Veränderte Anforderungen

An Historikerinnen und Historiker, die sich aktiv in diesem neuen Netz bewegen, werden besondere Anforderungen gestellt. Und es bedarf eines anderen Selbstverständnisses.

  • Innerhalb des Web 2.0 sind Historikerinnen und Historiker nur Teilnehmer. Alle Versuche, Meinungsbildung über zentrale Massenmedien und Fachorgane kontrollieren zu wollen sind zum Scheitern verurteilt.
  • Der Aufbau und Erhalt einer Community einen großen Teil der Kräfte, da zum Teil sehr intensive Arbeitsbeziehungen aufgebaut und unterhalten werden müssen, in denen Autorität durch repektvolle Zusammenarbeit erworben wird. Wer heute ein neues Projekt starten will, muss dafür mindestens einen halben Tag in der Woche einplanen. Sinnvoller erscheint es da, sich wenn möglich an bereits bestehenden Projekten zu beteiligen. In diesen intensiven Diskussionszusammenhängen liegen aber auch die besonderen Chancen der Web 2.0-Technologien.
  • Die Teilnahme erfordert eine besondere Medienkompetenz. Es geht um ein allgemeines Verständnis von Vermittlungsformen.

Veränderte Publikationszyklen

Historische Museen archivieren, erforschen und präsentieren geschichtliches Wissen. Das Web 2.0 ermöglicht eine vergleichbare kombinierte Nutzungsweise. Über das Web ließe sich Forschung und geschichtspolitische Diskussion so organisieren, dass eine enge Rückkopplung mit aktuellen Diskursen und mit einem interessierten Fach- und Lainepublikum möglich wird.

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Zusammenspiel digitalerund nicht-digitaler Medien

In einem Web als Arbeitsplatz würde sich auch die bisherige Publikationspraxis ändern. Wurden bislang Artikel, Archivalien oder andere Publikationen neben der Printausgabe auch digital publiziert, wäre nun die Entwicklung auch umkehrbar. Was Im Netz erarbietet wird und langfristig nach Bestand haben soll, würde nach einer redaktionellen Bearbeitung in andere Medien, vorzugsweise in Printmedien, überführt.

---noch nicht fertig---


Paradigmenwechsel

Was wäre ein Paradigmenwechsel? Eine medial unterstützte Veränderung des Verhältnisses von Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik.

Das würde heißen ...

  1. ... über das Web 2.0 kollaborative Lern- und Kommunikationsprozesse zu organisieren
  2. ... ein neues Nachdenken über den Begriff „Vermittlung“ (Bedeutung von Authentizität, Fehlertoleranz, …)
  3. ... die Entwicklung einer neuen Sorte von "Experten" (public digital historians)
  4. ... eine nutzerorientierte, integrierende Kommunikations- und Dokumentationspolitik der Geschichtswissenschaft
  5. ... und damit verbunden eine Reflexion über die demokratiepolitische Rolle historischer Analyse und Forschung


Autor(en):

  • Richard Heigl, Regensburg