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Der Vortrag war sicherlich ein sehr guter Einblick in das Schaffen und wirken von Erasmus. Auch war es spannend, die alten Bücher aus nächster Nähe zu betrachten. Jedoch hatte ich mir erhofft auch einen Blick hinter die Kulissen der UB werfen zu können, sprich sich die besprochenen Räume auch ansehen zu können und dort vielleicht die eine oder andere Schrift in die Hände nehmen zu können. Das war leider nicht derfall.

Was denkt ihr drüber?

Nicolas


Ich stimme Nico völlig zu. Leider fehlte auch mir das "gewisse Etwas"...

Tamara


ja ihr habt recht, haec oratio nervos non habuit...:-) Ich fand es als Altphilologin zwar wohl allgemein etwas spannender als die meisten von euch. Aber ja, ich muss gestehen, auch ich erhoffte mir (noch) mehr Einblick hinter die Kulissen. Vor allem war ich erstaunt, dass sich alles um Erasmus drehte und nicht mehr um die Bücher allgemein, wie der Titel eigentlich vermuten liess. Ich verstehe die UB aber auch sehr gut (will nicht heissen, dass ich daran zweifle, dass unsere Gruppe nicht gesittet gewesen wäre), sie kann nicht einfach alle Interessierten an solch wertvolle Bücher lassen..

Tamara


Erasmus und die Humanisten


1. Was versteht man unter Humanismus? Mit dem Begriff des Humanismus kann man zwei Dinge benennen, einerseits die Lehre des Humanismus und andererseits die Epoche des Humanismus, die vom 14. bis ins 16. Jahrhundert dauerte und auch als Renaissance-Humanismus bezeichnet wird.

Seinen Ursprung hat der Humanismus in Italien. Kennzeichnend für ihn ist die Hinwendung zur Antike. Werke griechischer und römischer Philosophen und Dichtern wurden genau studiert und ediert. Die Werke wurden textkritisch übersetzt und mit Kommentaren versehen. Zur Auseinandersetzung mit antiken Texten kam das Studieren christlicher Literatur.

Von den antiken Autoren wurde die Idee einer umfassenden Bildung übernommen: Sowohl sittliche wie auch geistige Bildung sind für die Erziehung wichtig. Auch die Ausbildung in literarischen Studien war zentral, viele der Humanisten beherrschten neben Latein auch Griechisch und Hebräisch. Auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte war ein Forschungsgebiet der Humanisten. Ihr Ziel war aber nicht die Aufstellung von Chronologien, wie das im Mittelalter üblich war, sondern sie setzten sich kritisch mit Quellen auseinander. Immer wieder suchte man nach Vergleichen und Bezugspunkten zu der antiken Geschichte.

Auch in ihrem sonstigen Studium widmeten sich die Humanisten am liebsten den Quellen, so auch bei christlichen Schriften. Zwar kann man den Kernpunkt des Humanismus als eine Verbindung von Christentum und antiker Philosophie verstehen, doch die antiken Lehren dienten vor allem dazu, die modernen zu verbessern und erneuern, nicht umgekehrt. Ihre eigenen Ansichten wichen auch in einem zentralen Punkt von der Bibel ab: Sie waren der Auffassung, dass der Mensch von Natur aus gut und vernünftig ist und dass sich dieser gute Kern durch die richtige Bildung entfalten kann. Die humanistische Bildung vertraut auf das Vermögen der Menschen, sich durch Bildung dem Guten hinwenden zu können. Die Bildung an sich war ein zentrales Element des Humanismus, immer wieder wurden ungebildete Geistliche kritisiert. Bei den Lehren der Humanisten stehen die Freiheit des Geistes und die Würde des Menschen im Mittelpunkt. „Freiheit des Geistes“ will sagen, dass die Humanisten nicht ein Studium von starren Wissenschaften und Dogmatik verfolgten, sondern eine möglichst breite, offene Geistesbildung, zu der zum Beispiel auch der Auseinandersetzung mit Moral, Politik, Kunst, Musik und Geschichte gehörte. Neben dem freien Denken und der wissenschaftliche Tätigkeit an sich waren das pädagogische Wirken und die Pflege einer möglichst präzisen, reinen und verständlichen Sprache zentral.


2. Humanismus in Basel am Beispiel von Erasmus Der bekannteste Humanist, der in Basel gewirkt und gelebt hat, ist Erasmus von Rotterdam, ich will ihn kurz vorstellen. Er wurde um 1466 geboren und verstarb im Jahre 1536. Er studierte Theologie und die alten Sprachen. Insgesamt hat er über 10 Jahre seines Lebens in Basel verbracht, aus verschiedenen Gründen. Ganz wichtig aber war der Buchdruck in Basel, die meisten seiner Werke sind hier herausgegeben oder zumindest überarbeitet worden. Er hatte hier ausgezeichnete Publikationsmöglichkeiten, und gewann unter den Buchdruckern einen engen Freund, Froben, von dem wir gehört haben. Zudem zog es auch viele andere humanistische Gelehrte nach Basel und Erasmus schätzte das Gespräch und den Austausch mit ihnen. Es entstand eine informelle Vereinung der Basler Humanisten, die „Sodalitas Basiliensis“. Erasmus war der Auffassung, dass das Sprachstudium zentral für die Bildung eines Menschen sei, damit er sich mitteilen und ausdrücken kann. Jeder Mensch, unabhängig von seinem sozialen sollte Zugang zu Bildung haben, die Bildung sollte deshalb eine öffentliche Angelegenheit sein. Ihm war es wichtig, bereits bei Kindern die Menschenwürde eines Jeden zu respektieren.


3. Erasmus und die Reformation Im Jahr 1516 erschien eines der wichtigsten Werke von Erasmus, nämlich das Neue Testament, das er in griechischer und lateinischer Sprache aufgeschrieben hatte. Ihm war, wie wir hier sehen, die Auseinandersetzung mit den Quellen wichtig und er versuchte möglichst unverfälschte Bibeltexte zu präsentieren. Er predigte eine Lehre Christi, die frei von Dogmatismus und Aberglauben war. Mit der Veröffentlichung und Vervielfältigung von original biblischen Texten präsentierte Erasmus den Reformatoren einen Boden für ihre Propaganda. Auch Erasmus und mit ihm viele Basler Humanisten waren der Auffassung, dass es einer religiösen Erneuerung bedarf und die Missstände in der Kirche behoben werden mussten. Erasmus kritisierte die Lügen und Schwächen der Theologen und der alten Ständeordnung, zum Beispiel missfielen ihm der Reliquienkult und die Macht des Klerus. Grundsätzlich sprachen sich Erasmus und andere Humanisten für eine Erneuerung und Reinigung des Glaubens und der kirchlichen Gesellschaft aus. Trotzdem bezog Erasmus gegen Luther Stellung, nachdem er sich lange versucht hatte, aus der konfessionellen Streitfrage herauszuhalten. Aus verschiedenen Gründen lehnten viele Humanisten die Reformation ab: Es sollte eine schrittweise, keine revolutionäre Erneuerung des Christentums geben. Die Einheit des christlichen Glaubens sollte bewahrt werden. Erasmus selbst wehrte sich gegen einen offenen Bruch mit der römischen Kirche. Er fürchtete, dass die Wissenschaft unter den religiösen Wirren leiden würde. Die Humanisten gerieten sowohl von der römischen Kirche wie auch von den Reformatoren unter Kritik: Den einen waren sie zu kritisch, den anderen zu wenig kritisch. Erasmus veröffentlichte schliesslich im Jahre 1524 eine Streitschrift gegen Luther, der darauf antwortete, woraus sich ein Schriftenwechsel über die Jahre 1524 und -25 ergab. Die Vorstellung Erasmus‘ von der Freiheit des Geistes und des menschlichen Willens passten nicht in Luthers Sichtweise. Bei dieser Auseinandersetzung kam zum Vorschein, dass sich trotz weniger Gemeinsamkeiten die Ideen Luthers und Erasmus nicht vereinbaren liessen. (Es ist aber anzumerken, dass spätere Humanisten sich sehr wohl mit dem reformatorischen Gedankengut anfreunden konnten).


Guggisberg, Hans R., Zusammenhänge in historischer Vielfalt: Humanismus, Spanien, Nordamerika, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft, Band 164, Basel und Frankfurt am Main, 1994, S. 39-52.

Teutenberg, René, Basler Geschichte, Basel 1986, S. 178-201.

Wackernagel, Rudolf, Geschichte der Stadt Basel, Dritter Band, Basel 1924, S. 228-234.

Brockhaus Philosophie: Ideen, Denker und Begriffe, Leipzig und Mannheim 2004, S. 85 und S. 136-138.

Ortsmuseum Mollis (Hrsg.), Der Humanist Heinrich Loriti genannt Glarean, Beiträge zu seinem Leben und Werk, Glarus 1983, S. 203-261.


Mirjam Wenger