Wreading

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Wreading ist ein Kunstwort, das sich aus Writing und Reading zusammensetzt. George P. Landow hat es 1994 geprägt. Er bezeichnete damit die Auflösung der Gegensätzlichkeit von Autor und Leser, die durch Hypertexte möglich wurde. Landow beschrieb eine Praxis, wie sie damals in spezifischen Hypertext-Programmen möglich war, im WorldWideWeb jedoch verschwand und heute durch Wikis wieder in die Praxis der Hypertext-Nutzung einfliesst: "The particular importance of network textuality - that is, textuality written, stored, and read on a computer network - appears when technology transforms readers into reader-authors or "wreaders", because any contribution, any change in the web created by one reader, quickly becomes available to other readers." (Landow (1), S. 14)

Mit dieser Aussage konzentrierte sich Landow vor allem auf den interaktiven Charakter des Hypertexts, also die Möglichkeiten der Leser/innen, den gelesenen Text zu verändern, und damit zum Autor/ zur Autorin zu werden. Er ging dabei von individuell vollzogenen Lese-/Schreibe-Aktivitäten aus. Jeder Leser und jede Leserin setzte sich einzeln mit dem vorliegenden Text auseinander. Dennoch resultierte daraus auch eine Form des kollaborativen Schreibens, wenngleich diese sehr indirekt und ohne gemeinsames Ziel einer wie auch immer definierten Gruppe entstand.

Doch das Wreading umfasst auch die Auswahlvorgänge beim Lesen von Hypertexten. Dies gilt besonders für Hypertexte, die vor allem rezipiert werden, so wie dies im World Wide Web heutzutage üblich ist. Die Leser/innen können selber entscheiden, in welcher Abfolge sie die nicht-linear angeordneten (Informationseinheiten) des Hypertexts lesen, und welchen der vorgeschlagenen Links sie folgen. Damit setzen sie die gewählten Textmodule zu einem eigenen, neuen Text zusammen und werden damit selbst zu Autor/innen. Bei dieser Form des Wreadings kommt den Links eine zentrale Bedeutung zu. Denn die Leser/innen können zwar wählen, welche Links sie verfolgen wollen. Sie können aber nur Links wählen, die vorhanden sind. Sie gelangen also nur zu vorausgewählten Inhalten, auch wenn sie die Reihenfolge steuern können (vgl. Verlinkungen).

Auch Landow hat diese Veränderungen der Lesebewegungen thematisiert. Er ging soweit, die Grundlagen wissenschaftlicher Auseinandersetzung durch Hypertexte in Frage zu stellen. Die Individualisierung der Lese-Erfahrung, so argumentierte er, verunmögliche einen gemeinsamen "Fixpunkt" zur Diskussion der im Hypertext dargestellten Sachverhalte. Jeder Leser, jede Leserin beziehe sich auf eine eigene Leseerfahrung, somit auf einen je einzigartigen Text. (Landow (1), S. 33)

Literatur

  1. Landow, George P.: "What’s a Critic to Do? Critical Theory in the Age of Hypertext", in: ders. (Hg.): Hyper text theory, Baltimore (Md.) [etc.]: The Johns Hopkins University Press 1994, S. 1-48.

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--Jan Hodel 00:07, 11. Feb 2006 (CET)