Kollaboratives Schreiben mit ICT und Historische Online-Kompetenz

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Wie lassen sich die ICT-gestützten Möglichkeiten des kollaborativen Schreibens in den Geschichtswissenschaften einsetzen? Im Folgenden eine Einschätzung entlang der Dimensionen der historischen Online-Kompetenz.

Lesen

Kann Wikipedia eine wissenschaftliche Referenz sein? Ist die Online-Enzyklopädie ein valable Hilfe für die wissenschaftliche Arbeit in der Kompetenzdimension des "Lesens"? Oder übt der "JeKaMi"-(Jeder kann mitmachen)-Ansatz nicht eher abschreckend für Wissenschaftler/innen, die fürchten müssen, dass ihre Beiträge durch besserwisserische Laien wieder verunstaltet werden können? Die Fragen beschäftigen die Scientific Community nicht erst seit den publikumswirksamen Fehleinträgen in Wikipedia zu John Seigenthaler oder Bertrand Meyer. Letzterer, ein Informatik-Professor an der ETH Zürich, hat die Falsch-Meldung seines vorzeitigen Ablebens, die in Wikipedia zu Weihnachten 2005 publiziert wurde, nicht nur mit einigem Humor aufgenommen, sondern in einem aufschlussreichen Artikel (1) eine Lanze für Wikipedia gebrochen. Er reagiert darin auf die verschiedentlich vorgetragenen Hypothesen, wonach das Prinzip von Wikipedia, jedem Schreibrecht zu gewähren, gar nicht funktionieren könne und über kurz oder lang die Qualität der Einträge sich auf einem niederen, wissenschaftlich unhaltbaren Niveau einpendeln müsse (Denning et al. (2); McHenry(3)). Meyer hält dagegen, die Praxis belege eher das Gegenteil: Dafür, dass dieses Projekt theoretisch gar nicht brauchbare Ergebnisse hervorbringen könne, funktioniere es im Alltag ganz hervorragend. Er bringt dabei zwei Punkte an:

  • Der Vergleich mit den herkömmlichen Enzyklopädien (ob von Kritikern oder Befürwortern vorgebracht) ziele am eigentlichen Nutzen von Wikipedia vorbei: Es sei vielmehr eine Alternative zur schnellen Internet-Suche nach Informationen, die sonst über Suchmaschinen, das heisst vor allem über Google vorgenommen werden.
  • Ausserdem biete Wikipedia (im Vergleich zu gedruckten Büchern, aber auch zu herkömmlichen Websites oder Posts im UseNet) die Möglichkeit, Fehler innert nützlicher Frist zu korrigieren. Auch wenn Fehler zuweilen lange unentdeckt blieben: sie können dann schnell und mit wenig Aufwand behoben werden.

Wikipedia nimmt eine besondere Rolle ein neben der für fachwissenschaftlichen Publikationen unverzichtbaren, wenn auch nicht vor Fehlern gefeiten Peer-Review-Methode. Es wird verschiedene Arten der Wissensrepräsentationen geben, die sich nicht ausschliessen sondern ergänzen. Wikipedia ist schnell aktualisiert und breit in den abgedeckten Themen; Fachpublikationen können dafür mehr in die Tiefe eines Phänomens gehen.

Letztlich kommt Meyer zum Schluss, der allgemein für die Nutzung des Internets gilt und als Leitmotto der Historischen Online-Kompetenz gelten könnte: dubito, ergo sum.

   Since when are we supposed to trust everything that we read, printed, electronic or otherwise?


Nicht erst seit den Referenz? ja, wenn man mit Google vergleicht und nicht mit Fachportalen. Strukturierungs-Optionen der Social Software. Drei Ansätze (Königswege) Auch bei Fachportalen könnte Social Software eingesetzt werden. Bei Clio-Online: Tagging für Websites, oder

Schreiben

Blog mehr Meinung, Wiki mehr Fakten? Gilt nur, wenn man Wiki wie Wikipedia versteht. Allerdings tendiert Wiki tendenziell zu gemeinsamen Nenner. Das ist bei Wikipedia die Enzyklopädie-Metapher, die offenbar sehr präsent ist. Aber sonst müssten Gruppen sich anhand gemeinsamer Ansichten und gewünschter Aussagen zusammensetzen. Ausserdem wäre eine Konzept-Phase unabdingbar. Egal ob Blog oder Wiki: wer zuerst schreibt, hat immer starke Definitionsmacht, was geschrieben, bzw. worauf reagiert wird.


Reden

Social Software hat Potential, auch für Reflexion eingesetzt zu werden. Es gibt zusätzliche Möglichkeiten der Annotation und der Metakommunikation. Hier müsste sich aber noch (ganz wikilike) noch eine soziale Regelung herausbilden.


HistCollaboratory: Navigationspfad von Jan Hodel

--Jan Hodel 16:48, 18. Feb 2006 (CET)