Tod des Autors: Unterschied zwischen den Versionen

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Der "Tod des Autors" geht auf den französischen Semiotiker und Philosophen [http://de.wikipedia.org/wiki/Barthes Roland Barthes] zurück. Der "Autor" spielt in den Geschichtswissenschaften eine tragende Rolle. Die meisten Geschichtsdarstellungen sind Erzählungen von Historiker/innen, die Quellen darstellen und in einen Deutungszusammenhang stellen. Barthes' These wurde von David J. Bolter und George P. Landow aufgenommen und auf die Ausprägungen des [[Hypertext|Hypertexts]] angewandt. Die These vom "Tod des Autors", der mit dem Aufkommen des non-linearen, partizipativen Textsystems Hypertext eingetreten sei, ist daher für die Praxis der Geschichstschreibung, bzw. die wissenschaftliche Aufgabe der Synthese bzw die Dimension "Schreiben" der historischern Online-Kompetenz von zentraler Bedeutung. Sie berührt die Frage, wie im Zeitalter der ICT in den Geschichtswissenschaften textuelles Wissen verfasst wird, auf zwei Weisen:
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Der "Tod des Autors" geht auf den französischen Semiotiker und Philosophen [http://de.wikipedia.org/wiki/Barthes Roland Barthes] zurück.  
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== Der Autor in der Geschichtswissenschaft ==
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Der "Autor", bzw. die Autorin spielt in den Geschichtswissenschaften eine tragende Rolle. Die meisten Geschichtsdarstellungen sind Erzählungen von Historiker/innen, die Quellen darstellen und in einen Deutungszusammenhang stellen. Die Diskussion um die Bedeutung des "linguistic turns" in den Geschichtswissenschaften ist zwar mit viel Emotionen geführt worden, hat aber nur einigen Bereichen zu einer veränderten Praxis geführt. Mono-Auktoriale Erzählungen sind bei geschichtswissenschaftlichen Darstellungen noch immer die Regel. Zumeist werden sie von einelnen Autor/innen verfasst und sie legen einen Sachverhalt in einer linearen, aufbauenden, diachronen Textstruktur dar. (vgl. dazu Ausführungen von Epple (1)).
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Barthes' These wurde von David J. Bolter und George P. Landow aufgenommen und auf die Ausprägungen des [[Hypertext|Hypertexts]] angewandt. Die Hypertext-Theorien haben in den Sprachwissenschaften einige Spuren hinterlassen und auch zu verschiedenen Experimenten beim Verfassen von Hypertexten geführt. In den Geschichtswissenschaften sind die Theorien zu Hypertexten bislang kaum rezipiert worden (vgl. Krameritsch (2)).
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== Konsequenzen des Tod des Autors für die Geschichtswissenschaften ==
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Die These vom "Tod des Autors", der mit dem Aufkommen des non-linearen, partizipativen Textsystems Hypertext eingetreten sei, ist für die Praxis der Geschichstschreibung, bzw. die wissenschaftliche Aufgabe der Synthese (bzw. die Dimension "Schreiben" der [[Historische Online-Kompetenz|historischen Online-Kompetenz]]) von zentraler Bedeutung. Sie berührt die Frage, wie im Zeitalter der ICT in den Geschichtswissenschaften textuelles Wissen verfasst wird, auf zwei Weisen:
 
* [[Non-Linearität|Non-linearer Charakter]] des [[Hypertext|Hypertexts]], der aus verknüpften, in sich geschlossenen Informationseinheiten besteht, der zur Verwischung der Grenze zwischen Autor/in und Leser/in führt ("[[Wreading]]")
 
* [[Non-Linearität|Non-linearer Charakter]] des [[Hypertext|Hypertexts]], der aus verknüpften, in sich geschlossenen Informationseinheiten besteht, der zur Verwischung der Grenze zwischen Autor/in und Leser/in führt ("[[Wreading]]")
 
* Gemeinsames Erstellen und Verantworten von Text: [[kollaboratives Schreiben]]
 
* Gemeinsames Erstellen und Verantworten von Text: [[kollaboratives Schreiben]]
  
 
Bedeutet der "Tod des Autors" auch das Ende der deutenden Darstellung, der Erzählung? Schreibt sich nun jede und jeder seine Geschichte selbst? Wie findet dann Austausch über die Bedeutung von Geschichte in ihrer identitätsstiftenden Funktion statt?
 
Bedeutet der "Tod des Autors" auch das Ende der deutenden Darstellung, der Erzählung? Schreibt sich nun jede und jeder seine Geschichte selbst? Wie findet dann Austausch über die Bedeutung von Geschichte in ihrer identitätsstiftenden Funktion statt?
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== Literatur ==
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#Epple, Angelika: "Verlinkt, vernetzt, verführt – verloren? Innovative Kraft und Gefahren der Online-Historiographie", in: Haber, Peter, Epple, Angelika (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005 (Geschichte und Informatik, Vol. 15/2004), S. 15-32
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#Krameritsch, Jakob: "Geschichte(n) im Hypertext. Von Prinzen, DJs und Dramaturgen", in: Haber, Peter, Epple, Angelika (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005 (Geschichte und Informatik, Vol. 15/2004), S. 33-56
  
 
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Version vom 12. Februar 2006, 13:12 Uhr

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Der "Tod des Autors" geht auf den französischen Semiotiker und Philosophen Roland Barthes zurück.


Der Autor in der Geschichtswissenschaft

Der "Autor", bzw. die Autorin spielt in den Geschichtswissenschaften eine tragende Rolle. Die meisten Geschichtsdarstellungen sind Erzählungen von Historiker/innen, die Quellen darstellen und in einen Deutungszusammenhang stellen. Die Diskussion um die Bedeutung des "linguistic turns" in den Geschichtswissenschaften ist zwar mit viel Emotionen geführt worden, hat aber nur einigen Bereichen zu einer veränderten Praxis geführt. Mono-Auktoriale Erzählungen sind bei geschichtswissenschaftlichen Darstellungen noch immer die Regel. Zumeist werden sie von einelnen Autor/innen verfasst und sie legen einen Sachverhalt in einer linearen, aufbauenden, diachronen Textstruktur dar. (vgl. dazu Ausführungen von Epple (1)).


Der Tod das Autors im Hypertext

Barthes' These wurde von David J. Bolter und George P. Landow aufgenommen und auf die Ausprägungen des Hypertexts angewandt. Die Hypertext-Theorien haben in den Sprachwissenschaften einige Spuren hinterlassen und auch zu verschiedenen Experimenten beim Verfassen von Hypertexten geführt. In den Geschichtswissenschaften sind die Theorien zu Hypertexten bislang kaum rezipiert worden (vgl. Krameritsch (2)).


Konsequenzen des Tod des Autors für die Geschichtswissenschaften

Die These vom "Tod des Autors", der mit dem Aufkommen des non-linearen, partizipativen Textsystems Hypertext eingetreten sei, ist für die Praxis der Geschichstschreibung, bzw. die wissenschaftliche Aufgabe der Synthese (bzw. die Dimension "Schreiben" der historischen Online-Kompetenz) von zentraler Bedeutung. Sie berührt die Frage, wie im Zeitalter der ICT in den Geschichtswissenschaften textuelles Wissen verfasst wird, auf zwei Weisen:

Bedeutet der "Tod des Autors" auch das Ende der deutenden Darstellung, der Erzählung? Schreibt sich nun jede und jeder seine Geschichte selbst? Wie findet dann Austausch über die Bedeutung von Geschichte in ihrer identitätsstiftenden Funktion statt?


Literatur

  1. Epple, Angelika: "Verlinkt, vernetzt, verführt – verloren? Innovative Kraft und Gefahren der Online-Historiographie", in: Haber, Peter, Epple, Angelika (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005 (Geschichte und Informatik, Vol. 15/2004), S. 15-32
  2. Krameritsch, Jakob: "Geschichte(n) im Hypertext. Von Prinzen, DJs und Dramaturgen", in: Haber, Peter, Epple, Angelika (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005 (Geschichte und Informatik, Vol. 15/2004), S. 33-56

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