Wikiality

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Hier soll mit dem Begriff "Wikiality" eine kritische Auseinandersetzung mit Wikipedia stattfinden. Dies geschieht anhand der These, dass die Mehrheit oder eine dominantere Interessengruppe über die Manifestation von Aussagen in Wikipedia und damit über Wirklichkeitsbildung entscheidet.


Wikiality

Mit dem Begriff "Wikiality" beschreibt der Satiriker Stephen Colbert die Situation, in der die Mehrheitsverhältnisse in Wikipedia darüber entscheiden, ob eine Information wahr oder falsch ist. Es entsteht auf diese Weise eine Realität, die sich auf den Konsens der Autoren und Administratoren gründet, aber nicht primär auf überprüfbaren Fakten. <ref>The Colbert Report, MTV Networks: [1] 31. Juli 2006</ref>

Zur Verdeutlichung der These rief Stephen Colbert im US-Fernsehen dazu auf, den Wikipedia-Artikel über Elefanten durch die Behauptung abzuändern, die Elefantenpopulation habe sich in den letzten 6 Monaten verdreifacht. Zahlreiche Nutzer folgten diesem Aufruf und schliesslich mussten ca. 20 Artikel über Elefanten gesperrt werden, um weiteren Schaden abzuwehren. Darunter befand sich auch der deutschsprachige Artikel: Diskussion:Elefanten

Beispiele

Die Manipulation des Eintrages über Elefanten ist auch für Unwissende recht klar zu erkennen - es gibt aber häufig weniger klar erkennbare "Korrekturen" von Wikipedia-Artikeln mit dem Ziel der langfristigen interessengebundenen Meinungsbildung.

Als Beispiele dafür können zunächst nur Änderungen an Wiki-Einträgen dienen, deren Tendenziösität erkennbar oder aufgrund allgemein zugänglicher Informationsquellen prüfbar ist.

  • So wurden etwa im Wiki-Artikel über den US-Kongressabgeordneten Marty Meehan diejenigen Wahlversprechen, die er gebrochen hatte, kurzerhand von seinen Mitarbeitern aus dem Artikel entfernt.
  • Ein weiteres Beispiel ist das deutsche "Problem-Atomkraftwerk" Biblis. Hier haben in der Vergangenheit mehrere Störungen das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit des Kraftwerkes geschädigt. Eine Änderung des deutschen Wikipedia-Artikels ("Das Kraftwerk Biblis ist ein Meilenstein in puncto Sicherheit") konnte anhand der IP-Adresse dem Netzwerk des Stromkonzernes und Kraftwerkeigners RWE zugeordnet werden.
  • Der US-Handelskonzern Wal Mart nutzt Wikipedia ebenfalls für Imagebildende Massnahmen. Als die schlechten Arbeitsbedingungen sowie die unterdurchschnittliche Bezahlung der Wal Mart-Mitarbeiter in den USA bekannt wurde, wurde der Wiki-Eintrag zum Unternehmen editiert. Plötzlich war die Information zu lesen, die Mitarbeiter erhielten "im Schnitt etwa das Doppelte des gesetzlichen Mindestlohns". Diese Aussage ist zutreffend, wenn man alle ausgezahlten Gehälter, also auch die Managergehälter addiert und durch die Gesamtmitarbeiterzahl teilt. Ein Jahr später verkündete das Unternehmen eine Gehaltskürzung für alle Angestellten.

Das Tool Wikiscanner ermöglicht diese nachträgliche Zuordnung der IP-Adresse zur getätigten Änderung auf Wikipedia. Dieses Tool bietet jedoch keinen verlässlichen Schutz vor Fehlinformation, da die Einträge künftig einfach über private IP-Adressen editiert werden können und so dahinterstehende Interessengruppen oder Unternehmen nicht identifiziert werden können.

Manipulationen in anderen Publikationsorganen

Man könnte die Grundannahme formulieren, dass überall, wo Erkenntnisse als Tatsachen manifestiert werden (also Lexika, Lehrbücher, Nachschlagewerke i.W.S.), die Gefahr der Manipulation besteht. Im folgenden werden verschiedene Publikationsorgane auf Manipulationen untersucht.

Lehrbücher

Da man nicht ganz offensichtliche Manipulationen oder Wahrheitsbeugungen am Besten im Vergleich mit einer anderen Quelle entdecken kann, habe ich mich zunächst auf Schulbücher in der DDR konzentriert. Besonders die Wertungen im Zusammenhang mit der Marktwirtschaft unterscheiden sich stark von den unseren, unterlagen jedoch staatlicher Vorgaben. Dies stellt den wie ich finde grossen Unterschied zu Wikipedia dar. Fundamentale Meinungsbildung funktionierte früher primär durch staatliches Zutun (Propaganda, Zensur, Berufsverbot).

  • ddr: mauer
  • brd: parteipolitik
  • damnatio memoriae


Massenmedien

Als private Interessengruppe war solch eine Meinungsbildung nur mit erheblichem Aufwand realisierbar, so etwa durch den Kauf eigener Zeitungen oder TV-Stationen als Träger der zu propagierenden Meinungen (vergl. Kronenzeitung[2]+ [3], Bild-Zeitung [4], Fox News [5]).

Unternehmenspublikationen

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Siemens CEO

Wikipedia erlaubt es aufgrund seines Prinzips, jede Person Einträge erstellen oder editieren zu lassen. Dies wird rege durch Interessenverbände und PR-Agenturen zwecks Imagepflege von Unternehmen, Unternehmern oder politischen Vorhaben genutzt.

  • siemens ceo - rolex

Zwischenfazit

  • bücher / verlage sind institutionen - lexika müssen durch objektivität bestechen - qualität = marktbestehen
  • öffentliche meinung über klassische massenmedien durch politik, pr+wirtschaft & lobbyisten beeinflussen = nach wie vor existent. diese meinungen finden mangels relevanz meist keinen einzug in seriöse lexika und fachliteratur
  • einflussnahme auf wiki-artikel jederzeit durch jeden möglich - wikipedia verliert in bestimmten gebieten (politik, unternehmenskommunikation, wirtschaft - globalisierung...) an referenzqualität, denn wer im tv/zeitung kolportierte meinungen überprüfen will, greift aufgrund der aktualität der informationen auf wikipedia zurück, wo gute pr-berater parallel oder im vorfeld der pressearbeit entsprechende "tatsachen" geschaffen haben werden.

ergo: historisch und gesellschaftlich akzeptierte und überprüfbare Themen werden auf Wikipedia wenig Möglichkeit zur Manipulation bieten, aktuelle und künftige Themen aus allen relevanten Bereichen jedoch schon. Diese neuen Informationen finden dank Nutzung von Wikipedia als Referenz für Journalismus und Alltagswissen Einzug in die öffentliche Meinung und damit langfristig auch Einzug in Qualitätsliteratur.

Spielwiese

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Verweise

<references />